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Prämisse und Buchrücken ausarbeiten (2/11)

Ich habe mir einen lang ersehnten Traum erfüllt und einen Roman geschrieben. Im Laufe der vergangenen Monate habe ich viel gelernt und weil das Schreiben zu einer Leidenschaft geworden ist, berichte ich in dieser Reihe, wie ich vorgegangen bin.

Buchrücken und Prämisse erstellenBevor ich auch nur eine Zeile meines Romanes geschrieben habe, ja, bevor ich auch nur angefangen habe, eine Handlung zu skizzieren, habe ich intensiv über die Prämisse, die Grundidee meiner Geschichte nachgedacht.
Die Prämisse einer Geschichte ist im Grunde eine Behauptung, die durch den Verlauf der Handlung illustriert wird.

  • Die Prämisse zu „Romeo und Julia“ könnte lauten: „Verbotene Liebe führt ins Unglück“.
  • Für den Herrn der Ringe „Mit Mut und Integrität lässt sich das Böse besiegen.“
  • Die Grundprämisse von Star Trek könnte man vielleicht mit „Anstand und Moral führen in eine bessere Zukunft“ bezeichnen.

Wenn ich die Prämisse formuliere, bevor ich über die Geschichte nachdenke, fällt es mir leichter, den roten Faden zu finden, dem die Geschichte folgt.
Das mag zunächst abstrakt erscheinen, aber letztlich sind das Gedanken, die für mich am Anfang des Schreibprozesses stehen: Worum geht es eigentlich? Was für eine Geschichte möchte ich erzählen?

  • Die Liebe besiegt allen Schmerz?
  • Hoffnung ist ein Trugschluss?
  • Das Leben ist eine Aneinanderreihung von tragisch-komischen Ereignissen?
  • Jede gute Tat wird bestraft?

Am Ende steht der Kern der Geschichte in einem einzigen, abstrakten Satz zusammengefasst.

Und ich glaube, dass das eine ziemlich persönliche Sache sein kann: Welches Thema, warum auch immer beschäftigt mich so sehr, dass es mich treibt, darüber eine Geschichte zu erzählen? Das mag der Drang nach Gerechtigkeit sein oder die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse. Vielleicht ist Emanzipation ein Thema oder der Neuanfang nach großem Leid. Erst, nachdem ich meine persönliche Prämisse und mein Genre gefunden habe, war ich bereit, den nächsten Schritt zu gehen: Den Buchrücken zu schreiben.

Der Buchrücken ist zunächst einmal nur ein kleines Ziel. Egal wie kindisch/lächerlich/absurd/erschreckend/einschüchternd der Gedanke sein mag, einen ganzen Roman zu schreiben: Einen Buchrücken, also die Kurzversion einer Geschichte bekommt man wohl hin. Danach kann man ja immer noch aufgeben.

Ein Film in fünf Sekunden

Also: Worum geht es in der Geschichte? Wovon soll diese Geschichte erzählen? Am Ende habe ich die gesamte Handlung in einem Absatz zusammengefasst. Eine Faustformel, die ich mir in zahlreichen Ratgebern angelesen habe: Fünf bis sechs Sätze, mehr muss es zunächst gar nicht sein. Mit diesem kleinen Ziel bin ich gestartet.

Auf dem Bild rechts ein Beispiel aus dem Buch „Der ganze Film in 5 Sekunden“.

Völlig offensichtlich, nicht wahr?

Dabei ist mein kurzer Absatz nicht wirklich der endgültige Buchrücken – er ist nur der Kern der Geschichte, der vermeiden soll, dass ich mich völlig verrenne.

Dafür habe ich etwa vier Wochen gebraucht*. Das scheint absurd viel, aber selbst jetzt, viele Monate und hunderte Arbeitsstunden später, stehen diese vier Sätze noch exakt so da, wie ich sie zu Beginn formuliert habe.


* Ich bin ein Morgenmensch: Meine Tage beginnen oft kurz nach 4 Uhr morgens. Die Zeit bis zum Frühstück nutze ich gern zum Schreiben. Auch ein Großteil der Blogartikel werden in der Früh (vor-)geschrieben.

Alle Teile der Reihe:

  1. Wie schreibt man einen Roman?
  2. Prämisse und Buchrücken ausarbeiten
  3. Vom Buchrücken zur Absatzgeschichte
  4. Interview mit einem Geist
  5. Einer Schneeflocke folgen
  6. Einen Roman schreiben
  7. Testleser*innen suchen und finden
  8. Self-Publishing oder Verlag? Was verdient man mit einem Buch?
  9. Als Autor auftreten oder unter Pseudonym schreiben?
  10. Apfelkuchen im Spätsommer
  11. Rückblick
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10 Gedanken zu „Prämisse und Buchrücken ausarbeiten (2/11)“

  1. Ich glaube gern, dass es schwierig ist, einen guten Buchrückentext zu schreiben. Einerseits soll er auf das Buch neugierig machen, andererseits soll er aber auch keinesfalls zu viel verraten. Ich bin ja jemand, der relativ gern und viel liest, und ich habe damit durchaus schon schlechte Erfahrungen gemacht: Es kam tatsächlich schon vor, dass im Text auf der Rückseite schon Ereignisse verraten wurden, die im Buch erst im letzten Teil stattgefunden haben. Daher bin ich mittlerweile bei Romanen dazu übergegangen, den Klappentext nie ganz zu lesen, sondern stets nur die ersten Zeilen.

    PS: Als ich diesen Text hier gerade abschicken wollte, bekam ich die Fehlermeldung, ich würde die Kommentare zu schnell schreiben… bitte etwas langsamer! Merkwürdig – so häufig kommentiere ich doch auch nicht – höchstens alle paar Tage mal…

  2. Pingback: Vom Buchrücken zur Absatzgeschichte (3/11) - Halbtagsblog

  3. Pingback: Testleser*innen gesucht (7/11) - Halbtagsblog

  4. Pingback: Einen Roman schreiben (6/11) - Halbtagsblog

  5. Pingback: Self-Publishing oder Verlag? Was verdient man mit einem Buch? (8/11) - Halbtagsblog

  6. Pingback: Wie schreibt man einen Roman? (1/11) - Halbtagsblog

  7. Pingback: Als Autor auftreten oder ein Pseudonym nutzen? (9/11) - Halbtagsblog

  8. Pingback: Interview mit einem Geist (4/11) - Halbtagsblog

  9. Pingback: Apfelkuchen im Spätsommer (10/11) - Halbtagsblog

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