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Self-Publishing oder Verlag? Was verdient man mit einem Buch? (8/11)

Mein Buch befindet sich auf der Zielgeraden: Es ist ausformuliert und die Kritiken der Feedbackrunden werden umgesetzt. Ein Gedanke, der nun im Raum steht ist die Wahl der Publikation. Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten, das eigene Buch einer Öffentlichkeit bekannt zu machen: Self-Publishing oder Verlagswesen.

Verlagswesen

Neben Buchrücken und Manuskript existiert auch ein Exposé meines Romanes, den ich verschiedenen Verlagen schicken kann. Ein Verlag kümmert sich um das Lektorat und Druck und Titelbild und überhaupt alles. Mein Roman würde, wenn er angenommen würde, in jedem Buchladen der Welt angeboten werden. Ein Verlag bietet also jede Menge Know-How und eine gigantische Reichweite. Im Gegenzug sind die Margen ziemlich mau – von jedem verkauften Buch erhält ein Autor nur wenige Cent. Außerdem vergehen zwischen dem Einsenden des Manuskriptes bis zum fertigen Exemplar viele Monate.

Self-publishing

Self-Publishing oder Verlag? Was verdient man mit einem Buch? (8/11) 1Beim Self-Publishing gilt das Paradox, dass ich mich um vieles selbst kümmern muss – der gesamte Prozess aber deutlich unkomplizierter und flotter ist. Ein Buch, das ich heute im Self-Publishing veröffentliche, kann morgen schon gekauft werden. Lektorat und Covergestaltung sind mein eigenes Ding. Wenn ich das versaue, ist es mein Problem – aber ich muss auch nicht auf fremder Leute Werk vertrauen. Die Bücher werden dabei nicht auf Vorrat gedruckt, sondern „on-demand“. Das bedeutet: Erst, wenn jemand das Buch bestellt, wird es in einer Druckerei gedruckt, gebunden und verschickt. Das geht so schnell und professionell, dass Amazon jedes meiner Sachbücher binnen 24 Stunden auch in Klassensatzstärke liefern kann.
Der Vorgang ist für Autoren denkbar simpel: Ich erstelle mir bei BoD.de oder Amazon KDP ein Konto und lade Beschreibung, Manuskript und Coverdatei hoch, lege noch einen Preis fest und fertig. Kein halbes Jahr Wartezeit und – zumindest in der Theorie – deutlich höhere Margen für den Urheber, als bei einem Verlag. Klar – man muss ja auch nicht noch ein ganzes Verlagswesen bezahlen.
Bei den Anbietern von Self-publishing gibt es dezente Unterschiede: KDP ist bei Amazon exklusiv (d.h. es wird auch nur über Amazon vertrieben) und bietet die größte Marge: Für ein Taschenbuch von 8,99 € bekommt ein Autor für jedes verkaufte Exemplar etwa 2,15 Euro Marge. (link) Bei Konkurrent BoD sind das am Ende 1 €. (Link). Eine ziemlich große Differenz – dafür gibt es das Buch bei BoD aber auch in jedem Buchladen zu kaufen und als Käufer kann man Amazon meiden. Zum Vergleich: Dieser Quelle nach liegt die Marge für ein gleichteures im Verlag vertriebenes Buch bei etwa 40 Cent.

Das ist eine interessante Situation.
Angenommen ich, ein völlig unbekannter No-Name-Autor, hätte einen Verlag, der meinen Roman veröffentlichen möchte.

Wie finden Menschen einen Roman, der nicht von ihrem Lieblingsautor geschrieben wurde?

Wenn ich nach Büchern stöbere, dann gehe ich in einen Buchladen und schaue mir die Auslageware an. Ich greife mal hierhin und mal dorthin, lese die Klappentexte und lege das meiste wieder zurück. Mein Roman wird aber niemals zigtausendfach gedruckt und in örtlichen Buchläden ausliegen – die Chance, mit mir Gewinn zu machen, ist zu gering, das Angebot zu groß. Damit bleibt mein Buch – wie Millionen andere – praktisch unsichtbar. Reine Katalogware. Die nahezu einzige Möglichkeit, über meinen Roman zu stolpern, ist das Browsen auf der Verlagshomepage oder bei Amazon und deren „Kunden kauften auch“ bzw. „ebenfalls von dem Autor“-Vorschläge.

Wenn ich aber jetzt gedanklich bei Amazon bin, wie relevant sind dann andere Anbieter als Amazon?

Nun sind wir im Bereich der Wahrscheinlichkeitsrechnung, denn ich muss verschiedene Faktoren und Szenarien gegeneinander aufwiegen:

Marketing bzw. Werbung

Als Self-Publisher ist mein einziges Marketing mein Blog, mein Twitter Account und vielleicht der Leseclub meiner Schwiegermutter.
Ein Verlag hätte dagegen in der Theorie viel mehr Möglichkeiten, meinen Roman zu bewerben. In der Theorie. Denn in der Praxis bleiben unbekannte No-Name-Autoren meist auch weiterhin unbekannte No-Name-Autoren. Außer durch Newsletter (XY hat ein Buch geschrieben, wollen Sie ein Rezensionsexemplar?) treffe ich selten auf Werbung für Bücher. Echte Empfehlungen begegnen mir am ehesten durch Amazons „das könnte Sie auch interessieren“-Algorithmus.

Margenberechnung

Dies im Hinterkopf muss ich außerdem folgende Szenarien durchrechnen:

Hypothetische Ausgangslage: Ich publiziere meinen Roman bei Amazon KDP. Das ist für mich das einfachste, denn meine Sachbücher laufen da auch schon. Der Arbeitsaufwand wäre absolut minimal. Mein Buch wäre aber ausschließlich bei Amazon zu kaufen.

Frage 1: Wie hoch ist im Vergleich zur Ausgangslage der monetäre Verlust durch einen potenziellen Käuferkreise, die mich oder den Buchtitel kennen UND das Buch kaufen wollen ABER aus Gründen nicht bei Amazon einkaufen?
Frage 2: Wie hoch ist der monetäre Verlust, wenn ich mit der geringeren Marge von BoD (oder anderen Self-Publishern) leben muss, dafür aber die Möglichkeit habe, in allen Buchläden bestellt werden zu können und dadurch dem o.g. Käuferkreis eine Einkaufsmöglichkeit biete?
Frage 3: Wie steht dem gegenüber die sehr, sehr viel geringere Marge (aber bei viel größerer Reichweite und Marketing-Möglichkeiten), wenn ich mich intensiv um einen Autorenvertrag bei einem ordentlichen Verlag bemühe?

Ich habe mit Leuten gesprochen, die – ebenso wie ich – unsichtbare NoNames sind und ihre Romane bei renommierten Verlagen veröffentlicht haben. Deren Einkünfte bewegen sich eher im Taschengeld-Bereich. Das mag meiner kleinen Stichprobe geschuldet sein – ich halte das aber für nicht unwahrscheinlich.

Es gibt jedoch einen gewichtigen Aspekt, der gegen das Self-Publishing spricht: Ich bin mir noch nicht klar, ob ich meinen Roman unter Klarnamen veröffentlichen möchte. Dazu aber beim nächsten Mal mehr.

 


Alle Teile der Reihe:

  1. Wie schreibt man einen Roman?
  2. Prämisse und Buchrücken ausarbeiten
  3. Vom Buchrücken zur Absatzgeschichte
  4. Interview mit einem Geist
  5. Einer Schneeflocke folgen
  6. Einen Roman schreiben
  7. Testleser*innen suchen und finden
  8. Self-Publishing oder Verlag? Was verdient man mit einem Buch?
  9. Als Autor auftreten oder unter Pseudonym schreiben?
  10. Apfelkuchen im Spätsommer
  11. Rückblick

Ein Gedanke zu „Self-Publishing oder Verlag? Was verdient man mit einem Buch? (8/11)“

  1. Pingback: Apfelkuchen im Spätsommer (10/11) - Halbtagsblog

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