Bundestag, PolitikIm Mai dieses Jahres wurde in NRW ein neuer Landtag gewählt und Ende Juni (mit Beginn der Sommerferien) wurde Dorothee Feller als Nachfolgerin von Yvonne Gebauer zur Ministerin für Schule und Bildung ernannt. Sie ist, vereinfacht gesagt, meine oberste Chefin aus der Politik.
Nun beginnt das neue Schuljahr und als oberste Dienstherrin beginnt Frau Feller ihren Job mit einer Rundreise durch das Land um sich verschiedene Schulen und Schulformen anzusehen. Das gefällt mir.

Von der städtischen Brennpunktschule bis hin zur Kaderschmiede eines Elitegymnasiums werden sicher alle möglichen Schulen und Schularten auf dem Programm stehen und eine davon – man ahnt es – sind wir: Die Gesamtschule Auf dem Schießberg. Das gefällt mir sehr.

Und noch spannender ist die Rubrik, in der wir bis in die höchste Spitze der Bildungspolitik empfohlen wurden: Eine Schule, die mit bescheidenen Mitteln den Herausforderungen unserer Zeit mit Innovation und zeitgemäßen Unterrichtsideen begegnet. (Zumindest formuliere ich es für mich so). Das gefällt mir sogar sehr sehr.

Chateau PicardNachdem sich in den letzten Woche zauberhafte Bürogestaltung (eine Flasche Château Picard ziert das Regal hinter mir.) und dröge Unterrichtsorganisation abgewechselt haben, läuft die Maschinerie nun auf Volldampf und wir sind heute in die erste Gesamtkonferenz gestartet.

Unsere weitgehend offenen Lernbüros sind digital zurückgesetzt und neu aufgestellt worden. Im Bereich des Projektunterrichts wurde evaluiert und einzelne Zahnrädchen verändert. Und – mein heimlicher Liebling – ich sitze gerade daran, unsere Werkstätten vorzubereiten. Das ist im Vorfeld ein organisatorischer Kraftakt:

  1. Welche Kollegen stehen zur Verfügung?
  2. Welche Werkstätten bieten die an? (z.B. Klettern, Siegens Unterwelt, Papierbrücken, Schwimmen lernen, …)
  3. Welche Werkstätten interessieren die Kinder?
  4. Welche Werkstatt darf welches Kind überhaupt wählen?
  5. Wahl durchführen
  6. Wahl auswerten. Werkstätten füllen.
  7. Nachwahl durchführen & Gespräche führen

Projektunterricht

Aber: Die Arbeit lohnt sich, das hat das letzte Schuljahr gezeigt. Die Werkstätten waren bei den Schüler*innen wahnsinnig beliebt, weil sie oft ihren Neigungen und Interessen nachspüren konnten.

Montag und Dienstag stehen jede Menge Übergabe-Konferenzen und organisatorischer Kleinkram an. Mittwoch startet dann das neue Schuljahr für die großen Schüler*innen und Donnerstag für unsere neuen 5er. Als verantwortlicher Leiter der Abteilung bedeutet das viel Organisation, Denk- und Delegier-Arbeit für mich. Überdies habe ich meine alte Klasse abgegeben und starte auch noch als Klassenlehrer in die neue 5. Ich freue mich schon sehr auf die neuen Gesichter – aber es bedeutet auch jede Menge zusätzliche Arbeit.

Und Freitag kommt die Bildungsministerin um einen Blick auf unsere Arbeit zu werfen. Begleitet wird sie unter anderem vom Bürgermeister der Stadt Siegen, Steffen Mues. Das empfinde ich zunächst einmal als Ehre und Würdigung der unglaublichen Arbeit, die in den letzten Jahren vom Kollegium geleistet wurde.

Seit Bekanntgabe des Termins nutze ich freie Minuten (haha), um einen Elevator-Pitch vorzubereiten: Wie lässt sich unser neues Schulkonzept, unsere Erfahrung in Sachen Digitalität und die elementare Ausrichtung unserer Schule in wenige Minuten packen? Denn Frau Feller wird nicht kommen, um sich Buzz-Words und Phrasen anzuhören und auch eine halbstündige PowerPointPräsentation verbietet sich von selbst.

Mit diesem Schuljahr beginnt mein fünftes Jahr in der Schulleitung und ich empfinde die anstehenden Aufgaben als willkommene Ablenkung zu den Hiobsbotschaften der Weltpolitik. Hier ist etwas, das ich beeinflussen kann. Hier kann ich wirken. Und am Freitag öffnet sich vielleicht ein Türspalt, unsere Schule noch ein Stück weiter voranzutreiben. Das gefällt mir. Sehr!