ProjektunterrichtHeute hatten wir die Vertreter einer anderen Schule bei uns zu Gast. Das kommt öfter vor und ist immer wieder eine schöne Gelegenheit des Austausches. Die Besucher*innen (meist Schulleitungen) haben von unserem Aufbau zur Tabletschule oder unserer Schulentwicklung im vergangenen Jahr gehört und wollen sich das einmal gerne live ansehen.

Nach einführenden Worten, Fragen und Antworten sind wir dann einmal durch die Schule gepilgert und haben eines unserer Lernbüros besucht. Hier sitzen Kinder unterschiedlicher Jahrgangsstufen beieinander und bearbeiten Aufgaben eines Faches, bspw. Mathematik. Unsere Gäste liefen neugierig umher und kamen vereinzelt mit Kindern ins Gespräch.

Unter anderem mit Fynn-Jules. Fynn war die Mathematikaufgabe heute zu langweilig (oder vielleicht hatte er sie auch schon fertig), jedenfalls knobelte er an einer Aufgabe seines Informatik-Kurses. Die Aufgabe wollte er eigentlich mit seinem Banknachbarn Ahmed lösen, der aber in Quarantäne zu Hause sitzt.

Als wir nun unangemeldet in das Lernbüro stolpern, sitzt Fynn-Jules mit Kopfhörern an einem Tisch mitten im Klassenraum. Klein in der Ecke seines Tablets ein Fenster mit einer Videokonferenz. Ahmed, der von zu Hause aus mit dickem Schal teilnimmt und mit Fynn über die Lösung des Informatik-Problems diskutiert. Auf die Frage unserer Besucher, was er gerade täte, bat Fynn Ahmed um eine kurze Pause und erklärte, dass sie in Informatik die Programmiersprache Scratch kennengelernt hätten und sie damit… xyz – den Rest habe ich nicht verstanden.

Ein Sechstklässler, der eigenmächtig via Videokonferenz mit einem Mitschüler über einer Programmiersprache brütet. Vor ein paar Jahren hat es so etwas nur im Fernsehen gegeben. Zu meiner Schulzeit gab es Videokonferenzen bei Knight Rider. Aber nicht im Klassenraum der 5a.

Einerseits ist das eine amüsante Anekdote, weil unsere Gäste zielsicher einen sehr engagierten und starken Schüler gefunden und interviewt haben (Witzigerweise auch einen der größten Stufenrabauken. Aber wie das so ist – gerade die sind dann im öffentlichen Auftreten plötzlich sehr charmant und gewissenhaft..). Im Grunde eine Illusion – denn natürlich sind nicht alle unsere Kinder so fit wie Fynn-Jules. Andererseits beschreibt diese Begebenheit genau das, was wir mit Digitalität als Schule erreichen wollen: Kinder nutzen die Geräte als Werkzeuge, finden Lösungen. Sie arbeiten nicht alle am gleichen (Mathematik) sondern verfolgen individuelle Bildungspfade. Dies ist ein Stück weit auch Wirklichkeit an unserer Schule.

Und so anstrengend die ersten Schulwochen sind – das heute war mein Highlight der Woche, denn man verliert diese Dinge manchmal aus dem Blick. Die erstaunten Mienen unserer Besucher*innen (als ich augenzwinkernd erklärte, der Junge gehöre zur Gruppe der schwächeren Kinder an der Schule) und den Gedanken, dass bei uns vieles richtig, richtig gut läuft.