Die Corona-Krise hat alte Strukturen aufgebrochen und schulisch viel durcheinandergewirbelt. Das bietet auch die Chance, Schulentwicklung zu betreiben und Schule nachhaltig zu verändern. In einer Artikelreihe habe ich beschrieben, wie meine eigene Schule diesen Transformationsprozess angeht – denn wir wollen nicht zurück nach 2018. Die ganze Reihe zum Nachlesen findest du hier.

Werkstätten an der Gesamtschule Auf dem Schießberg

Ich hatte an dieser Stelle schon etwas zum jahrgangsstufenübergreifenden Werkstattunterricht geschrieben. Bei uns bekommen die Schüler*innen keinen Plan vorgesetzt, sondern sie können ihn sich ihr Schulfach teilweise aussuchen: Möchtest du lieber Kunst haben oder Musik? Kunst? Und lieber Aquarellmalerei oder Portraitzeichnen oder Tonarbeiten?

Durch ein aufwändiges Wahlsystem (ich habe mich über Wochen in Excel eingearbeitet) können wir den Kindern ermöglichen, möglichst die Fächer und Themen zu wählen, die sie interessieren. Das ist cool – wird aber an einer weiteren Stelle noch viel aufregender – in den Vorgaben für die Unterrichtsverteilung der Schulen findet sich nämlich neben Mathematik, Deutsch und Englisch noch ein weiteres Fach: Ergänzungsstunden (kurz: EGS).

Stundentafel

Die Ergänzungsstunden „dienen der Intensivierung der individuellen Förderung innerhalb des Klassenverbandes sowie in anderen Lerngruppen.“

Dies kann alles Mögliche sein: Mathematik-Förderangebote. Lese-Rechtschreib-Kurs. Solche Dinge. Das System an unserer Schule ermöglicht uns in diesem Bereich nun eine sehr große Freiheit: Anstatt, dass die Klassenlehrer ihre Schüler*innen irgendwelchen Kursen zuweisen, können wir sie in unseren Werkstatt-Bändern frei wählen lassen: Hey, worauf hast du Lust?

Ein neues Schulfach? Viele neue Schulfächer!

Schulfach: "Unterwelt erforschen" #6 1

Meine Schule hat zum Sommer einen gewaltigen Umbruch vollzogen und nun, nach einigen Monaten haben alle Beteiligten an der Schule ein gewisses Maß an Routine entwickelt: Jeder kennt jetzt den Unterschied zwischen Werkstätten und Projektunterricht, zwischen Fachunterricht und Lernbüros. Für das zweite Halbjahr steht nun an, einerseits immer weiter Fehler auszubügeln und andererseits die ganze Stärke des Systems auszureizen.

In einem ersten Schritt haben wir in den letzten zwei Wochen alle Kolleg*innen abgefragt, welche EGS-Kurse sie theoretisch anbieten wollten, wenn sie durch Stundenplanung in einen EGS-Kurs rutschen würden. Und heute habe ich hier nun 150 Kursvorschläge auf dem Schreibtisch liegen und jeder einzelne begeistert mich.

150 Kurse können wir nun nicht anbieten. Das gesamte Angebot wird nun auf Plakate gedruckt und über einige Tage in der Schule ausgehängt und Ende der Woche gibt es dann eine Art „Wenn heute Bundestagswahl wäre, was würden Sie…“-Vorwahl. Die Schüler*innen sollen über ein Rating-System (via Microsoft Forms) ihre Interessen kundtun.

Am kommenden Freitag weiß ich also, dass sich  (hypothetisch) haufenweise 5er und 6er für die „Pfadfinder-Werkstatt“ interessieren und nur wenige für das Angebot „Meditation und Einkehr„.

Weiß ich das, geht der Ball zurück an Schulleitung und Kollegium: Einerseits versuchen wir, in der kommenden Stundenverteilung  jene Kolleg*innen freizuschaufeln, deren Werkstätten hochgradig angefragt sind und versuchen andererseits herauszufinden, ob es evtl.. noch mehr Kolleg*innen gibt, die sich die „Pfadfinder“ zutrauen könnten.

Fazit (tl;dr)

Schulfach: "Unterwelt erforschen" #6 2Meine Schule erlaubt den Kindern an vielen Stellen Wahlmöglichkeiten. Nach einem halben Jahr Schulentwicklung und Erfahrung im neuen Schulsystem schöpfen wir für das kommende Halbjahr aus dem vollen: Die Schüler*innen erhalten einen breiten Katalog mit weit über hundert Fächerangeboten, aus dem sie wählen können. Wann immer in der Öffentlichkeit nach neuen Schulfächern (Glück, Steuer, Feuerwehr, etc): Die Chance ist ziemlich hoch, dass es diese Fächer an der „Gesamtschule Auf dem Schießberg“ wirklich gibt.

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