Surface Pro 4 – After the Buzz

29. November 2016 15 Von Jan-Martin Klinge

Es ist doch immer die gleiche Nummer: Man kauft sich ein neues Spielzeug Gadget und freut sich an Design und Funktion. Doch nach den ersten Tagen bemerkt man die nervigen Dinge. Eigenschaften, die man vorher ausgeblendet hat oder nicht kannte – und nach wenigen Wochen macht sich Frust breit.

Seit einem halben Jahr nutze ich das Surface Pro 4 aktiv in meinem Unterricht. Wie hat es sich nach der ersten Euphorie geschlagen? Lohnt sich der Kauf? Wie sieht das Gerät nach 6 Monaten Schultasche aus? An dieser Stelle ein Rückblick auf ein halbes Jahr Surface in der Schule.

Das Surface Pro 4 ist im Mai dieses Jahres mein Dienstrechner geworden, auf dem heimischen Schreibtisch steht noch ein zweiter Computer. Über diese Zweiteilung bin ich ganz dankbar, weil ich jetzt nicht mehr meine Steuererklärung und Familienbilder mit in den Unterricht nehmen muss, wenn ich mein eigenes Gerät mitbringe. Das Surface verfügt (in meiner Konfiguration) über 128 GB Festplattenspeicher, der sich mit einer microSD-Karte erweitern lässt. Dazu einen USB- und einen Mini-Display-Port.

Um die geringe Festplattengröße zu kompensieren, habe ich meinen OneDrive-Ordner (soz. Dropbox) direkt auf die Speicherkarte umgelenkt. Dies ist ganz leicht zu bewerkstelligen, erspart eine Menge Platz und funktioniert problemlos – solange man die Karte nicht entfernt. Über Tricks und Tweaks kann man auch weitere Systemordner auslagern – bei solchen Experimenten muss man aber wissen, was man tut. Ich habe mittlerweile völlig ausgeblendet, dass da ein Wechselspeicher existiert.

Wie sehr mein Unterricht auf OneNote abgestimmt ist, muss ich an dieser Stelle wohl nicht wiederholen. Die Kooperation mit den Kollegen, das Abstimmen auf gemeinsamen Unterricht läuft auf anstandslos, hat aber erstmal nichts mit dem Surface zu tun.

Sinnvoll wird das Gerät in Kombination mit Microsofts Wireless Display-Adapter. Dadurch kann ich den Bildschirm des Surface drahtlos an den Schulbeamer senden (Anleitung dazu hier). Drahtlos ist hierbei entscheidend: Ich kann vom Lehrerpult aus mit dem Stift in Arbeitsblättern rumkritzeln, und die Schüler sehen, was ich mache. Mit der kostenlosen Windows-App „Pic Collage“ fotografiere ich manchmal Heftaufschriebe, stelle dem betreffenden Schüler das Surface auf seinen Platz und bitte ihn, seine Rechnung vorzuführen. Während er erklärt und die Fotos hin- und herschiebt, vergrößert und verkleinert, können die anderen auf dem Beamer seinen Ausführungen folgern. Nächste Aufgabe, nächster Schüler – das Surface wandert durch den Klassenraum und bleibt mit dem Beamer verbunden. An dieser Stelle ersetzt mir die Kombination mit dem Stick eine Dokumentenkamera.

Aufgetretene Schwierigkeiten: Wenn der Bildschirm zusätzlich den Stift registriert, bricht die Verbindung mit dem Display Adapter häufig ab und muss neu aufgebaut werden. Keine Ahnung, woran das liegt, die fehlende Abstimmung nervt aber etwas. Womöglich ist das mit anderen Adaptern anders.

Das Surface läuft jeden Tag mit. Ich projiziere häufig Unterrichtsinhalte nach vorne und muss nicht mehr mit alten Schul-Laptops (Windows XP) kämpfen, die den Beamer nicht erkennen oder das Format xy nicht abspielen können oder bei denen irgendwelche Schüler wieder die Tasten vertauscht haben.

Zumindest in den ersten Wochen nach Marktstart schienen die Surface Geräte Probleme mit dem Standby-Modus zu haben. Davon kann ich nichts berichten: Klappe ich die Tastatur zu, fällt das Gerät in Tiefschlaf und klappe ich sie auf, dauert es zwei bis drei Sekunden, bis ich mich via Gesichtserkennung automatisch angemeldet habe. Pro Schultag geschieht das etwa zwanzig Mal – völlig ohne Probleme. Abends an den Strom und morgens wieder mit in die Schule.

Ebenfalls positiv: Mein Android-Emulator MEMU übersteht den Standby-Modus ebenfalls. Wurde in der Anfangszeit das Bild noch gespiegelt und ein Neustart des Emulators nötig, läuft der jetzt ständig im Hintergrund. Obwohl ich die ein oder andere Alternative ausprobiert habe, bleibe ich nach wie vor bei der Notenverwaltung Tapucate.

Würde ich das Surface jetzt verkaufen, stände „gut, aber Gebrauchsspuren“ dabei. Auf dem Aluminium-Rücken sind seit dem ersten Tag feine Kratzer zu sehen: Einmal auf dem Tisch abgelegt.. Zack! Die sind allerdings rein optischer Natur und kümmern mich persönlich gar nicht, für mich ist das Surface ein Arbeitsgerät. Von der andockbaren Tastatur bin ich positiv überrascht. Obwohl sie oft Kreidedreck abbekommt und durch das ständige Umklappen sicher am meisten beansprucht wird, zeigt sie bisher keine Auflösungserscheinungen.

Fazit
Fiele mir das Surface jetzt vom Tisch, würde ich es mir sofort neu kaufen. Das Gerät hat sich tatsächlich sogar so sehr bewährt, dass sich ein halbes Dutzend meiner Kollegen auch eines angeschafft haben – und allesamt sehr zufrieden sind. Die Kombination aus geringem Gewicht, Stifteinsatz, drahtloser Verbindung zum Beamer und unserer Zusammenarbeit in OneNote lässt sich damit perfekt realisieren. Für Lehrer ein grandioses Arbeitsgerät. Beim excitingEDU habe ich mit ein paar Lehrern gesprochen, die exakt die gleichen Erfahrungen gemacht haben.

Es gibt sicher leistungsfähigere oder günstigere Geräte – aber die Kombination ist in meinem Fall schon sehr cool. Nach einem halben Jahr hat sich das Gerät so nahtlos in meinen Workflow eingepasst, dass es nicht mehr wegzudenken wäre.


Disclaimer: Nachdem ich mir mein Surface vom sauer angesparten Haushaltsgeld gekauft habe, hat Microsoft mir im Rahmen eines Education Teams ein zweites Gerät als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Ich arbeite nicht für Microsoft. Oder für die Leute hinter Tapucate. Ich bekomme weder Geld noch sexuelle Gefälligkeiten für den Artikel. Niemand (außer der geheimen Regierung der Echsenmenschen) hat Einfluss auf diesen Artikel genommen. Ich habe keinen Zweifel, dass man mit Konkurrenzprodukten auch ganz wunderbar produktiv arbeiten und zufrieden sein kann – trotzdem, Microsoft, wenn ihr das hier lest: Gibt es ein Surface-Studio-Education-Team?