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Interview mit einem Geist (4/11)

Ich habe mir einen lang ersehnten Traum erfüllt und einen Roman geschrieben und dabei habe viel gelernt. Weil das Schreiben zu einer Leidenschaft von mir geworden ist, berichte ich in dieser Reihe, wie ich vorgegangen bin. Heute: Wie ich mit für meinen Roman Interviews mit Geistern geführt habe.

Mittlerweile habe ich eine kurze Zusammenfassung meiner Geschichte auf einer Seite. Ich kenne zumindest die Hauptpersonen mit Namen und weiß um Zweck und Bedeutung ihrer Figuren. Das Problem: Sie sind aktuell nur Geister. Vage Schemen echter Figuren. Das Skelett steht – aber es fehlt der Inhalt.

Immer noch habe ich keine einzige Zeile des Buches geschrieben, aber schon einiges an Arbeit investiert.

InterviewUm meine Figuren besser kennenzulernen, führe ich mit ihnen fiktive „Interviews“ mit ihnen. Zunächst lasse ich sie die gesamte Handlung aus ihrer Perspektive erzählen, stelle als vorgeblich unbeteiligter Autor hier und da Nachfragen. Dabei entwickelt sich wie von selbst die Sprache der jeweiligen Figur. Aus dem Geist wird ein Mensch.

Einer der Charaktere erklärt mir wortreich, das er nicht nur die gesamte Geschichte zum Kotzen findet, sondern auch das Interview geradezu lächerlich. Wenn ich als Lehrer genauso schlecht sei, wie als Autor, täten ihm die Kinder leid. Kein sympathischer Kerl – aber seine Stimme hilft mir, ihn im Buch plastisch darzustellen.

Eine ältere Frau winkt dagegen müde ab. Sie hat in ihrem Leben so viel erlebt, dass sie die Aufregung gar nicht verstehen kann. Sorgen bereiten ihr ganz andere Dinge.

Und die weibliche Hauptfigur meines Buches blickt mit einer Mischung aus… aber das führt an dieser Stelle vielleicht zu weit.

Entscheidend ist, dass jede Figur Charakterzüge und eine eigene Sprechweise entwickelt. Außerdem wird mir im Verlaufe der Texte deutlich, was die Motivation der einzelnen Figuren ist, wo sie sich hinbewegen wollen.

Interview mit einem Geist (4/11) 1Ich runde das Ganze ab, indem ich mir unter https://this-person-does-not-exist.com/de von einer künstlichen Intelligenz Profilbilder meiner Charaktere erstellen zu lassen. Dadurch komme ich später nicht durcheinander und die Hauptfigur ist mal blond und mal braunhaarig.

Am Ende dieses Schrittes habe ich immer noch nur eine Seite Buchhandlung und nun rund Seiten Interviews – aber immer noch keine einzige Zeile meines Romans geschrieben.


Alle Teile der Reihe:

  1. Wie schreibt man einen Roman?
  2. Prämisse und Buchrücken ausarbeiten
  3. Vom Buchrücken zur Absatzgeschichte
  4. Interview mit einem Geist
  5. Einer Schneeflocke folgen
  6. Einen Roman schreiben
  7. Testleser*innen suchen und finden
  8. Self-Publishing oder Verlag? Was verdient man mit einem Buch?
  9. Als Autor auftreten oder unter Pseudonym schreiben?
  10. Apfelkuchen im Spätsommer
  11. Rückblick
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