Menschenraub & Wirtschaftskriminalität

Also manche Dinge sind einerseits so skurril, dass ich ehrlich nicht weiß, ob ich sie euch erzählen kann – andererseits aber sooo skurril, dass ich sie unbedingt erzählen muss. (Noch merkwürdiger als der FKK-Erlass? Ja!)

Neben Familie, Unterrichtsvorbereitung, Umzug, kleinem Hund und dem Alltag werden wir nämlich verklagt. Also vielmehr: Meine Frau wird verklagt.

Wegen Menschenraubs. Und Wirtschaftskriminalität.
Ich bin tatsächlich mit einer potentiellen Schwerstkriminellen verheiratet.

(Also, wer jetzt nicht auf “weiter lesen” klickt… Zwinkerndes Smiley)

weiterlesen

Die große Erschöpfung!?

2010-08-09 13.46.42Ich bin ein ganz großer Fan von Bill Cosby. Ich liebe seine Fernsehserie wegen ihres durchweg positiven Familienbildes, ich liebe Cosbys Humor und seine Art, über Familie und Ehe zu sprechen. Ich liebe das, weil ich Familie liebe. Weil ich meine Ehe liebe. Und weil ich meine Tochter liebe und auch noch das Vergnügen habe, beruflich mit Kindern arbeiten zu dürfen.
Neulich bin ich über einen lustigen Test für werdende Eltern gestoßen. Er stammt aus dem Buch “A beginners guide to fatherhood” von Colin Falconer. Ich finde den Test ganz lustig, weil ich Familie liebe und weil ich kleine Babys süß finde und gerne mit Kindern arbeite.

Ein Auszug:

weiterlesen

Weihnachtsstress

Meine Frau hat einen Lieblingsladen. Konplott. Ein Geschäft voller Ketten und Armreife und Ohrringe und… Buäh! Nichts davon hat WiFi, geschweige denn Bluetooth. Dabei weiß doch jeder, dass alles mit Bluetooh besser ist.

Meine Frau weiß, dass ich den Laden fies finde. Natürlich gehe ich trotzdem rein. Und kaufe ihr ein Geschenk.

“Uuuund? Hast du schon Geschenke für mich?”, fragt die wundervollste Ehefrau von allen am Nachmittag. “Ich war nicht in deinem fiesen Laden!” entgegne ich. Sie sieht traurig aus und m weiteren Verlauf des Tages muss ich mir anhören, wie undankbar ich sei. Während sie den ganzen Tag dieses und jenes machen würde… aber ich…
Schließlich hetzt sie auch ihre Freundinnen auf. “Der soll sich nicht so anstellen.” “Sag ihm, er soll dieses und jenes…”

Einen Nackenschlag nach dem anderen fange ich mir ein. So geht das Tag für Tag. Mal beiläufig. Mal direkt.

Was sind wir Ehemänner letzten Endes doch für arme Kerle: Wie wir es auch machen, wir machen es falsch. Das Geschenk bringe ich jedenfalls morgen zurück: Ich höre mir doch nicht tagelang diesen Mist völlig umsonst an. ;-)

Der Nikolaus war da (2)

“PAPAAAAAAA!”

Aufgeschreckt renne ich nach unten. Carolina hat ihr Bild aus dem Kamin gezogen. Urgs…

“Oh weh…!”, stammel ich und überlege fieberhaft, wie ich die Situation retten kann.

“Der Nikolaus hat das Bild verloren, als er den Schornstein hochgeklettert ist!” erklärt Carolina besorgt. Eifrig nickend stimme ich zu. “Ja.. genau! Dann… erm…!”

Ich verstumme.

Papa…” .
Meine Tochter sieht mich an, als wäre ich debil. “Dann müssen wir das an Weihnachten nochmal hinlegen. Dann nimmt der Weihnachtsmann dem Nikolaus das mit!”

Ich vermisse diese Zeit.
Blöde Frau Pallhuber. ;-)

Der Nikolaus war da…

“Papa? Es gibt keinen Weihnachtsmann!!”
“Bitte was?” Ich schaue, möglichst neutral, auf. “Wer sagt denn so etwas?”
“Die Frau Pallhuber. Heute in der 6. Stunde.”
Sie hält kurz inne. “Weißt du, einmal hätte ich gerne noch mit dem Weihnachtsmann Weihnachten gefeiert. So wie früher.”

Früher.

Vor drei Jahren noch hat meine Tochter extra ihr Zimmer aufgeräumt, die Stiefel geputzt und ihm ein Bild gemalt. Mit viel Liebe und Sorgfalt. Das Bild hat sie dann auf die Stiefel gelegt, bevor sie ins Bett musste.

Am nächsten Morgen ertönte aufgeregtes Rufen aus dem Kinderzimmer. “Papa! Papa!” (Natürlich ruft sie mich als erstes..) “Der Nikolaus war da! Und er hat mein Bild mitgenommen!”

Carolina jubelte laut und brabbelt weiter, während ich mich ganz schlecht fühle. Denn der ‘Nikolaus’ hat das Bild im Kamin entsorgt – schließlich darf sie es ja nie wieder finden…

“Ist das nicht toll, Papa?”

“Hm..?”

“Na, dass er mein Bild mitgenommen hat!”

“Erm… ja! Sehr!”
Wann habe ich mich zuletzt so schlecht gefühlt?

Sapperlot. Das Dinosaurier-Spiel.

IMAG0374Das wahrhaft Schönste am Lehrerberuf ist, dass ich viel Zeit mit meiner Tochter verbringen darf. Ich komme nicht abends um “7 vonne Maloche und bin fix und feddich mit die Welt”.

Wir vertreiben uns die Zeit mit allerlei Schönem und Unsinnigem. Eines unserer Spiele ist das Dinosaurier-Spiel: Dabei geht es darum, möglichst viele Synonyme zu finden. Dinosaurier-Spiel heißt es deswegen, weil es nach der Thesaurus-Funktion von Word benannt ist und Thesaurus klingt wie ein Dinosaurier.

Nach der Schule klingen unsere Gespräche dann zuweilen so:

Sapperlot, Papa, war das ein schöner Schultag heute!”
Donnerlittchen, das freut mich aber sehr, Lina!”
”Und… Papa, Herrschaftszeiten habe ich mich auf dich gefreut!”
”Ja, Kreuz, Birnbaum und Hollerstauden! Das freut mich zu hören!”
”Und machen wir jetzt noch was Schönes? Eis essen zum Beispiel?”
Donnerwetter! Das ist mal ein Vorschlag!”

weiterlesen

Happy Birthday, Universum!

IMG_20131110_180102Morgen wird meine kleine Tochter acht und darob haben wir den Tag heute besonders zelebriert. Alles wurde heute zum letzten Mal mit 7 gemacht: Zum letzten Mal etwas vorgelesen bekommen. Zum letzten Mal toben. Zum letzten Mal lachen, kreischen und gemeinsam singen. Zum letzten Mal mit 7 ins Bett gehen.

Durch die Medien, im Alltag Schule und auch im Umfeld begegne ich jedoch immer wieder Kindern, die nicht das Glück haben, das meine Tochter genießen darf. Und Eltern, die nicht das Glück haben, das ich genießen darf.
Und wenn ich sehe, wie an vielen Stellen Potential verschenkt wird, blutet mir das Herz. Kinder, die in ihrer Geschichte so gefangen sind, dass kaum eine Hoffnung auf irgendetwas besteht. Verhaltensweisen, die sich so stark eingeprägt haben, dass sie kaum zu lösen sind. Kinder, deren weiterer Lebenslauf stark vorgezeichnet ist.

Und umso mehr genieße ich die Nachmittage mit meiner Prinzessin.

Hin und wieder schlägt mir Amazon neue Bücher und Hörbücher vor: “speedlesen”, “besser arbeiten”, “effektiver denken”, “das volle Gehirnpotential ausnutzen”, “alles, was Sie wissen müssen”. Ich habe vor Jahren mal die CD “Bildung: Literatur – Alles was man wissen muss” von Schwanitz gehört und sie genossen. Ständig habe ich gedacht “Wow! Abgefahren. Wie spannend! Das muss ich mir merken!” Und das war es! Wirklich großartig. Aber heute weiß ich

nichts

         mehr.

Vor einigen Monaten stolperte ich über das Bild eines Leichenwagens, vollbepackt mit Kisten und Kartons, Surfbrett und Krimskrams. Und an der Seite standIMG_20131111_195014You can’t take it with you!1”. Ein beeindruckendes Bild. Im gleichen Zusammenhang las ich eine Rabbinische Weisheit (es ist eine Lehrerkrankheit, dass man Geschichten und Anekdoten sammelt, man möge es mir verziehen):

Jeder Mensch muss zwei Blätter Papier mit sich tragen und jeden Tag draufschauen. Auf dem einen steht: ‘Du bist nichts als Staub und Asche’, auf dem anderen: ‘Für dich wurde das Universum geschaffen.’

Dieses Universum feiert morgen seinen Geburtstag.
Mehr als je zuvor genieße ich die Zeit mit meiner Tochter. Es ist ein Segen des Lehrerberufs, dass man soviel Zeit für seine Kinder hat. Sie macht mir immer wieder klar, dass ich nicht mein volles Gehirnpotential ausnutzen, sondern ihr lieber Zeit schenken soll.

Zeit zum backen. Zum Fußballspielen. Zum Witze-erzählen. Zu “wer zuerst mit den Augen klimpert hat verloren”-Wettbewerben. Ich brauche gerade nicht mehr. Und ich habe ein paar Kinder vor Augen, denen ich wünsche, solch unbeschwerte Tage erleben zu dürfen. Ich denke, die meisten Lehrer haben das.

Als ich Carolina schließlich am Ende eines langen Tages vorschlug, sie müsse auch zum letzten Mal mit 7 in der Nase bohren, lachte sie frech, hob einen Zeigefinger lehrerhaft in die Luft und sagte: “In der Nase bohren.. und in den Mund stecken!”

Happy Birthday, Universum!

“Je mehr Krankenwagen, desto besser!”

2013-10-25 12.52.57Bundestagspräsident Norbert Lammert beklagt den Quotenwahn der Fernsehsender und im SPIEGEL-Forum beklagt ein freier Mitarbeiter des MDR eben dieses: Mord und Totschlag seien erwünscht, aber keine (langweiligen) positiven Nachrichten.

Zum mittlerweile vierten Mal hat meine Gemeinde in den Herbstferien ein Kindermusical inszeniert. Jedes Jahr sind zwischen dreißig und vierzig Kinder beteiligt und etwa halb so viele Mitarbeiter. Einige von ihnen nehmen sich Urlaub, andere haben – wie das in einer Kirchengemeinde so ist – das Arbeitsleben schon hinter sich. Jeden Tag wird gemeinsam gegessen, gesungen und geprobt. Eine Woche haben wir nur Zeit, ein knapp anderthalb Stunden langes Stück zu lernen.

Für die Mitarbeiter ist das jedesmal richtig anstrengend. Und für mich als Lehrer ebenso: Wo ich in der Schule klare Strukturen erwarte (und durchsetze), sind wir hier nicht in der Schule. Spätestens am Donnerstag geht der ein oder andere auf dem Zahnfleisch. In der Schule würde man von einer extrem heterogenen Lerngruppe sprechen:

Inklusion & Alltagsprobleme

UnbenanntInzwischen hat das zweites Schuljahr für meine Klasse, in der auch zwei Mädchen mit Glasknochen sind, begonnen. Das erste verlief unproblematisch und der Alltag war geprägt von unkomplizierten, praktischen Lösungen.

Inklusion nennt sich die Einbindung von Menschen mit Behinderungen in den normalen Schulalltag, die in Deutschland in den nächsten Jahren mehr und mehr umgesetzt wird und ich habe an vielen Stellen von den Erlebnissen und Bereicherungen der Inklusion erzählt.

Aber – und auch darin sehe ich eine Gewisse “journalistische” Pflicht – es gehört auch dazu, von den Schwierigkeiten und Herausforderungen zu berichten. Diese entstammen natürlich meinen Erfahrungen, sind aber größtenteils auch auf andere Inklusionsfälle übertragbar. Heute also einige Worte zu ein paar Alltagsproblemen, die sich mit der Inklusion einstellen.

weiterlesen

Wandern und schauspielern (mit Glasknochen)

 

IMG-20130910-WA0000Noch zwei Tage, dann ist diese Kokolores-Woche rum.
Gestern sind wir den Grubenweg in Eiserfeld gewandert. Vor einigen Jahren hat ein Kollege mit dem Kurs “Gemeinnützig Handeln” an unserer Schule einen 8 Kilometer langen Pfad durch den Wald entlang vieler Bergbaugruben erschlossen und mit Infotafeln versehen. Herausfordernd war der Weg für meine Rollstuhlkinder und dieser Ausflug ist ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten, die das Thema Inklusion mit sich bringt: 

Grundsätzlich ist der Pfad in Rollstühlen unpassierbar. Punkt.

Als Lehrer stehe ich nun vor einem Problem: Der Bergbau gehört zur Tradition der Stadt Siegen und als solches ist so ein Ausflug im Sinne der Heimatkunde berechtigt. Wenn ich jetzt (überspitzt) sage: “Tut mir leid, können wir nicht machen und werden wir nie machen können, weil wegen den beiden!” – dann sind die anderen Schüler genervt und mit zunehmender Dauer werden Inklusionskinder zum Zentrum für Ärgernisse. “Nie können wir die lustigen Dinge machen!” Das wird in Zukunft mehr und mehr Kollegen betreffen. Und von den Schülern wird sich der Frust auf die Eltern übertragen – Inklusion ja bitte gerne, aber nicht neben meinem Wilhelm Maximilian!

Es ist für uns Lehrer sehr schwer die Balance zu finden, zwischen Projekten die alle machen wollen und Projekten, die alle machen können. Ich bewahre mir dabei eine gewisse Naivität, gepaart mit einem Schuss Sturheit:

Wir haben den Ausflug einfach gemacht. Mit Rollstühlen.

weiterlesen