Geiz ist geil. Aber schmerzhaft.

mein FußEs ist 2:45 Uhr und ich liege mit Schmerzen wach im Bett.

Beim Umbau des Hauses gestern bin ich umgeknickt. Die Art von Umknicken, bei der man das Krachen der Bänder, Splittern der Knochen und rythmische Pulsieren der abgerissenen Arterien im Fuß zu hören meint.

Ins Krankenhaus bin ich trotzdem nicht gefahren.

Wie viele Lehrer bin auch ich privat versichert – das ist etwas günstiger, bringt aber im Krankheitsfalle auch organisatorischen Ärger mit sich.
Bei (vielen) Beamten läuft das so ab: Ein Arzt erstellt mir eine Rechnung. Diese Rechnung wird zu 50% von der Krankenkasse bezahlt und zu 50% vom Land, Beihilfe nennt man das. Bevor das Land aber auch nur einen Cent bezahlt, greift eine Art Selbstbeteiligung (wie bei einem Autoschaden): Die ersten 300 Euro muss ich selbst bezahlen. Das ist sozusagen die Praxisgebühr für Privatpatienten. Die Krankenkasse umgekehrt lockt mich mit folgendem Angebot: Hört sie im ganzen Jahr nichts von mir, zahlt sie mir ein Viertel aller Beiträge zurück – das sind in meinem Fall über 600 Euro.

Nun beginnt eine Rechnerei: Ab wie viel Euro lohnt es sich, eine Arztrechnung weiterzuschicken?

Gestern Nachmittag waren die Schmerzen zumindest keine 600 Euro wert.

Heute Nacht sehe ich das anders.

Meine Geschwister drängen mich, in die Notaufnahme zu fahren und den Fuß röntgen zu lassen. Sicher sei sicher. Insgeheim stelle ich mir vor, die die Ärzte eine massive Knochenabsplitterung feststellen und sich fragen, wie ich da so Captain Cool sitzen könne, bei den Schmerzen.
Tatsächlich aber sieht man auf den Röntgenbildern gar nichts. “Mehr als eine Bänderdehnung ist nicht drin, Herr Klinge”, tröstet mich die Ärztin und meint eigentlich “Sie sind ein Waschlappen, Herr Klinge!”.

Immerhin:
Für den Physikunterricht gibt man mir meine Röntgenbilder mit. So kann ich zumindest im Unterricht noch einmal dramatisch meine unmenschlichen Höllenqualen ausbreiten. Vielleicht erhalte ich da ja mehr Mitleid. Zwinkerndes Smiley

Dr. Jekyll & Mr. Hide

Ich unterrichte unter anderem zwei Schwestern in Physik.
Die eine in meinem großartigen Oberstufenkurs1, der sich auch in der neunten Stunde nicht zu schade ist, gutgelaunt Professor Moriarty das Handwerk zu legen oder auszurechnen, welcher Typ Flaschenöffner bei der Abi-Feier am besten zum Einsatz kommt.
Die andere Schwester in einem Kurs, der weit weniger Enthusiasmus verströmt: Der Fokus liegt auf den Zentralen Abschlussprüfungen und Physik ist ein Fach, das in erster Linie langweilig und anstrengend ist. Ein paar mühen sich – aber es bleibt genau das: Mühe.

Und während die eine Schwester große Freude an meinem Unterricht hat, würde die andere mich “am liebsten austauschen”.

Skurril.

Der gleiche Lehrer. Der gleiche Unterricht. Die gleichen Experimente. Das gleiche Fach.

Unterschiedliche Wahrnehmung.

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MINT on Tour

20140311_090856Die Universität Siegen hat ein Projekt gestartet, um “junge Menschen für die MINT-Fächer zu begeistern”. Dabei kommen Lehramts-Studenten drei Tage lang an die Schulen und betreuen jeweils 20 Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse um mit ihnen zu experimentieren und zu…

…helfen, die physikalischen oder chemischen Hintergründe zu verstehen oder selber zu entdecken.

(Siegener Zeitung)

Der Dekan der Fakultät IV setzt auf eine “multiplizierende Wirkung” des Projekts. Die Schüler sollen ihre Begeisterung aus dem Unterricht mit nach Hause nehmen und dort auch die Eltern und Geschwister “anstecken”.

Das sind hehre Ziele.
Die Wirtschaft lechzt nach ausgebildeten Naturwissenschaftlern, die Berufsaussichten für Chemiker und Physiker sind großartig. Viele Eltern finden solche Aktionen gut. Für die Schule ist es Auszeichnung und Werbung, mit der großen Schwester “Universität” zusammenarbeiten zu dürfen und die Schüler freuen sich immer über Projekttage.

Also alles gut?

Abschied von meinem Physikkurs

Zum Abschied von meinem (großartigen) 12er Physikkurs habe ich meinen Freund Nils gebeten, mit etwas flüssigem Stickstoff und einer Handvoll netter Experimente in meinem Unterricht aufzutauchen.

Besonders interessant: Man kann Marshmallows auf -190°C abkühlen und dann sofort essen. Anschließend kondensiert der Atem, was zu lustigen Effekten führt.

Mathematik-Uhren (zum selber basteln)

Einer der meistgelesenen Artikel des Blogs ist die Anleitung zum Bau einer “Countdown-Uhr” – für viel Freude sorgt außerdem meine Nerd-Uhr im Klassenzimmer, die statt normaler Ziffern die Binärcodes der entsprechenden Zahlen aufweist.

Im Internet gibt es eine ganze Menge teurer Uhren für naturwissenschaftlich begeisterte Menschen Nerds zu kaufen. Grund genug, mich diesem Trend anzuschließen und euch zumindest zwei dieser Uhren hier zu präsentieren.

Die Ziffernblätter gibt es hier als veränderbares .docx oder als statisches .pdf zum downloaden. Von der Größe her passen sie optimal in eine IKEA-RUSCH Uhr. Die ist nicht hübsch, aber funktional und günstig.

Erste Uhr: Die 9er Uhr.

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Den Mathematikern unter euch sind die vollführten Operationen bekannt – den anderen jedoch völlig egal. Also spare ich mir eine Erläuterung und leite viel lieber zur absoluten Nerd-Uhr über:

Nerduhr

Wer über die Bedeutung der einzelnen “Ziffern” rätseln möchte, sollte lieber nicht mehr weiterlesen – für alle Interessierten folgt nun eine Aufschlüsselung dieser Sammlung an kruden Zeichen:

  1. Die Legendre-Konstante ist eine mathematische Konstante, die in einer 1798 von Adrien-Marie Legendre aufgestellten Formel zur Abschätzung der Anzahl der Primzahlen, die nicht größer als eine gegebene Zahl n sind, auftritt. Ihr Wert wurde später als genau 1 nachgewiesen.
  2. Ein mathematischer Witz: Unendlich viele Mathematiker gehen in eine Bar. Der erste bestellt ein Bier, der zweite ein halbes Bier, der dritte ein viertel Bier und so weiter. Der Barkeeper sagt: “Ihr seid alle Idioten” und stellt zwei Bier auf den Tresen.
  3. Der HTML Hexcode.
  4. Kongruenzrechnung der Zahlentheorie in der Mathematik, zuweilen auch Restklassenarithmetik genannt.
  5. Der Goldene Schnitt. Etwas verarbeitet.
  6. Drei Fakultät: 3·2·1=6
  7. Eine sich endlos wiederholende Nachkommastelle, die man mit dem Cauchy-Konvergenz-Kriterium als genau 7 berechnen kan
  8. Die grafische Darstellung eines binären Codes
  9. Ein Beispiel für eine Quaternäre Zahl – im Gegensatz zu unserem (auf der Zahl 10 basierenden) Dezimalsystem, würde das Zahlsystem auf der Zahl 4 beruhen. (Das ist übrigens nicht irgendein Quatsch, sondern ein kalifornischer Indianerstamm (die Chumash) haben mithilfe des quaternären Zahlensystems gezählt – heutzutage nutzt man das u.a. bei der Berechnungen der vierdimensionalen Raumzeit.)
  10. Der Binomialkoeffizient. Wird in der Kombinatorik genutzt.
  11. Die hexadezimale Version der Zahl 11. Hexadezimale Zahlen sind übrigens ein Zahlensystem, dass auf der 16 beruht: 0-9 & A-F.
  12. Eine schlichte Wurzel zum Abschluss.

Na, ist das abgefahren? Smiley mit geöffnetem Mund

Jahresausklang

2013-12-19 09.35.58“Die letzten Tage vor Weihnachten sind für alle Menschen anstrengend. Alle drehen durch!”, erklärt mir eine Freundin mit richtigem Beruf ohne Mitgefühl. ”Aber in der Schule drehen die Kinder durch und sind laut dabei!”, versuche ich es erneut. Doch ohne Erfolg.

An meiner Schule gestalten die 5er und 6er jährlich eine Weihnachtsfeier für die Eltern und Mitschüler. Dabei präsentieren sie, was sie in ihren AGs und Musisch/Künstlerischen Fächern gelernt haben. Vom Rhönrad über Jonglage-Gruppen hin zu Chor und Orchester findet sich da eine ganze Menge. Zusätzlich zu den Vorbereitungen und Proben finden nebenher noch Elterngespräche statt. Die  sind in der Regel positiv, aber auch zeitintensiv. Dazu gab es diese Woche eine Konferenz mit den Inklusionshelfern meiner Glasknochenkinder und dem Verein, der sie betreut. Außerdem standen die Gutachtenkonferenzen der Referendare an. Dabei setzen sich alle betreuenden Kollegen zusammen und werten die vergangenen Monate aus, damit der Schulleiter ein Gutachten über den- bzw. diejenige schreiben kann. Die Note dieses Gutachtens geht letztlich mit 25% in das Zweite Staatsexamen mit ein – ist also ein bedeutendes Stück Papier. Viele Referendare hatte ich selbst im Unterricht, mit anderen habe ich Projekte angestoßen, wie bspw. das Schreiben unserer NW-Workbooks.

Außerdem in dieser Woche: Eine Fortbildung des Ministeriums zur “Implementierung der neuen Kernlehrpläne im Fach Physik in der Sekundarstufe 2”. Ja. Hm. Ich fand es nett, ein paar Kollegen kennenzulernen. Insgesamt sehe ich da aber viel verschenktes Potential.
Platt gesagt: Wenn ich zusammen mit einer Referendarin binnen 12 Monaten drei komplette NW-Workbooks für die Klassen 5 und 6 zusammenstellen kann, die an unserer Schule mittlerweile von vielen Kollegen dankbar als Leitfaden angenommen werden – wieso schafft das Ministerium das nicht? Dort wird von Vernetzung gesprochen und Austausch und diesem und jenem. Mit ihren Mitteln könnten die in kürzester Zeit… ach. Jedenfalls: Ein ganzer Tag ging dafür drauf.
Heute dann ein Brennballturnier mit den Parallelklassen und die Muppets Weihnachtsgeschichte. Morgen wird noch gefrühstückt und dann sind endlich Ferien.

Letztlich sah meine Woche etwa so aus:

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Richtiger Unterricht war diese Woche kaum dabei – aber auch das gehört zum Lehrerberuf.

Nun sind aber erst mal Ferien und mindestens bis nächste Woche Mittwoch wird sich nur erholt.
Euch eine großartiges, ruhiges, besinnliches, familiäres Weihnachtsfest und vielen Dank fürs Lesen in diesem Jahr voll spannender Projekte, Exkursionen, Angriffen von osteuropäischen Hackernetzwerken und und und.

Bis zum nächsten Jahr.

ISS, Olympia und die kugelförmige Flamme

Am 09.11.2013 verließen zwei russische Astronauten die Internationale Raumstation ISS für einen Außeneinsatz mit einem ganz besondern Gegenstand in der Tasche. Die Olympische Fackel. Es war nicht der erste Besuch einer Olympischen Fackel auf der ISS, aber der erste Weltraumsparziergang mit ihr. Doch schon bevor sich die Fackel auf den Weg ins Weltall machte, gab es rege Disskusionen über die Sicherheit der Astronauten. Sollte man wirklich eine brennende Fackel auf die ISS bringen? Zu gefährlich entschied die Flugleitstation in Moskau. Doch wäre eine entfachte Fackel wirklich ein Sicherheitsrisiko gewesen? Immerhin wurden auch schon auf der Raumstation MIR experimente mit Feuer und Flammen durchgeführt. Man munkelt, dass ein anderer Grund zu der Entscheidung der Flugdirektion führten. Die Schwerelosigkeit. Jede Kerzen- oder Fackelflamme benötigt Sauerstoff zum brennen. Entzündet man eine Flamme auf der Erde, so steigen die Verbrennungsprodukte und die darüberliegende aufgeheizte Luft nach oben. Aufgrund der Konvektion im Raum sinkt kalte Luft nach unten und speißt die Flamme mit neuem Sauerstoff. Unsere Kerze Brennt am docht Kegelförmig ab. Entzündet man jedoch eine Kerze im Weltall sieht das ganze anders aus. Die Schwerelosigkeit sorgt dafür, dass es zu fast keiner Konvektion kommt. Der Kerze geht aufgrund der nicht vorhandenen

Kerze auf der Erde und im All - NASA.gov

Kerze auf der Erde und im All – NASA.gov

Gasbewegung im Raum buchstäblich die Luft aus, da die entstandene heiße Luft und die Verbrennungsprodukte genau dort bleiben wo sie sich gerade befinden. Der Sauerstoff rund um den Kerzendocht verbrennt. Ist dieser jedoch aufgrbraucht erlischt die Kerze. Der bisherige Rekord einer brennenden Kerze im Weltall lag bei 16 Minuten. Laut NASA sollen mit den experimentellen Bedingungen, die auf der ISS geschaffen werden können sogar 167 Minuten erreicht werden. Hätten die Astronauten also die Olympische Fackel, entzündet durch die Sonne mit einem extra dafür vorgesehenen Hohlspiegel in ihrer Sojuskapsel mit auf die ISS genommen, wäre die Flamme der Fackel spätestens nach 167 Minuten ausgegangen. Das hätte zur Folge gehabt, dass eine der wichtigsten Regeln der olympischen Traditionen gebrochen hätte werden müssen. Das Olympische Feuer darf im laufe der Olympiade nicht erlischen. Natürlich hat diese Regel ihren Ursprung, genau wie die Olympiade, in der Antike und sollte heutzutage nicht mehr zu ernst genommen werden. Veranschaulicht man sich aber die wichtigkeit der ewig brennenden Fackeln in der damaligen Religion wird einem bewusst, warum den Veranstalltern dem IOC ein erlischen der Fackel, vorallem vor diesem Hintergrund und mit diesem Medieninteresse überhauptnicht gefallen würde. Also waren es nun gerade einmal 2 kg Aluminium die die Astronauten mit sich spazieren führten. Über den Sinn und die Aktuallität solcher teueren Veranstalltungen kann man streiten. Worüber man nicht streiten kann ist die schönheit einer Kugelförmigen Flamme im schwerelosen Raum. Deshalb hier nochmal ein kleiner Eindruck von der ehemaligen Raumstation MIR.

http://www.youtube.com/watch?v=IgzCMKdAYuI

Und wer noch mehr Informationen über die experimente der NASA auf der ISS haben möchte klicke auf das Bild der beiden Flammen oben.