Monsterspiel.

Wenn ich an meine frühen Computerspielerfahrungen zurückdenke, dann sind mir vor allem jene Momente in Erinnerung geblieben, die ich mit meinen Geschwistern geteilt habe.
In einem der ersten RPGs überhaupt – dem legendären Dungeon Master – haben wir uns zu dritt Stunde um Stunde vor dem PC gegruselt und Mumien, Skelette und allerhand Pixelmonster getötet. Ein großer Spaß. (weiterlesen …)

Kindergeburtstag.

IMAG0951Donnerstag war mein Examen. Freitag das meiner Kollegin. Samstag dann der Geburtstag meiner Tochter.

Eigentlich bin ich jemand, der immer viele Kinder wollte, aber nach so Kindergeburtstagen gehöre ich einer anderen Fraktion an. Wenn ich darüber nachdenke, ob ich lieber den Examenstag oder lieber den Kindergeburtstag wiederholen wollte, dann wäre die Wahl schnell gefallen…

Im Augenblick genieße ich die Post-Examens-Geburtstagszeit und möchte am liebsten “schlafen-schlafen-schlafen”.
Ich lese mich interessiert morgens durch die Blogs der Kollegen und stolpere heute über den Artikel “my teacher is an app”:

“In kürzester Kürze zusammengefasst lautet die These des Artikels: Wenn wir in unseren Arsch nicht hochkriegen und langsam etwas Sinnvolles mit den neuen Medien anstellen, dann werden wir rechts und links von der Realität überholt und liegengelassen – aus Ignoranz und Geldmangel.”

Najaaaaaa, denke ich und gähne. Soweit ist es dann ja doch nicht. Kein Roboter könnte mich je ersetzen!
Ich bin schließlich staatlich geprüfter Lehrer! In Bayern könnten Briefe an mich zukünftig mit “A.d.L. Klinge” addressiert werden. Welcher Roboter besitzt schon einen Titel?

Müde schlurfe ich nach unten und bin zunächst überwältigt vom Chaos des zurückgebliebenen Kindergeburtstages. Dann stockt mir für eine Sekunde das Herz, als ich eine leere Geschenkverpackung inmitten des Bibi-Blocksberg-Puzzles sehe.

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Eine Sekunde überlege ich, zu welchem Geschenk das gehört. Wie viel von dem verdammten Whisky habe ich gesoffen getrunken? Und war der Kindergeburtstag vielleicht noch schlimmer, als ich sowieso schon im Kopf habe?

Dann folgt die Erleichterung. Aber nur kurz.
Denn die Verpackung gehört zu einem TipToi-Stift. Damit kann meine Tochter in speziellen Büchern das Mitlesen üben oder, wenn sie keine Lust hat, sich das Buch auch direkt vorlesen lassen. Es gibt Bücher und Spiele um Englisch zu lernen, Lesen zu üben oder geheimnisvolle Geschichten zu hören.

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Prima. Endlich braucht sie mich nicht mehr. Sie kann alleine Lesen lernen, mithilfe eines…

Moment mal… Enttäuschtes Smiley

Erziehung und Humor

Ich bin ein großer Freund spannender Abenteuergeschichten und Übertreibungen. Vielleicht habe ich zu oft die Zamonien-Romane von Walter Moers gelesen, aber ständig sind Zwergpiraten und Gruselmumen auf unserem Dachgeschoss, huschen Ginsterhexen und Fledertratten im Keller und knirschen Skelette und Werwölfe im Kleiderschrank meiner Tochter.

Immer wieder ernte ich besorgte Blicke von anderen Eltern. Ob Kinder in diesem Alter schon mit Ironie klarkämen. Oder mit solchen Horrorgeschichten. Nun… seit gestern bin ich sicher, sie können.

Carolina und ich waren einkaufen. Noch auf dem Parkplatz macht sie unentwegt Faxen, so dass ich sie lachend im Nacken greife und vor mir herschiebe. Carolina gluckst vor sich hin und versucht halbherzig, aus meinem Griff freizukommen. Plötzlich brüllt sie los: “HILFE, EIN RÄUBER!”.

Verblüfft lockere ich meinen Griff – und Carolina saust davon, durch die Glastüren in den Laden. “Hilfe, ein Räuber” ruft sie, während ich hinterherhetze und sie einfange. Die ersten Leute schauen mißtrauisch. Da ist die Mutter mit Kinderwagen wieder und schaut mich böse an. Lachend packe ich Lina und hebe sie hoch, halte ihr dabei den Mund zu. “Hmmpf eim Rmmber”, ächzt sie.
Mit einem strampelnden Kind auf den Armen eile ich durch das Geschäft in Richtung Spielzeugabteilung. Hinterher erkläre ich ihr, dass solche Scherze nicht von allen verstanden werden. Dass jemand die Polizei rufen könnte.

Carolina macht große Augen. “Werde ich dann verhaftet?” “Nein”, beruhige ich sie, um dann maßlos zu übertreiben. “Aber ich!”

Sie aber ist erleichtert. “Ach sooo…”

Kuscheltier verschwunden.

IMAG0100Nach den entsetzlichen menschenverachtenden Vorgängen an einer Ratekauer Schule, an der im Rahmen einer Projektwoche ein Kaninchen geschlachtet, gebraten und verzehrt wurde, habe ich eine Menge interessanter Gespräche führen dürfen.

Mit Eltern, die meiner Argumentation folgen konnten und mit solchen, die mich meine Einstellung aufs Schärfste verurteilen. Dabei ist ihre Haltung zu der Geschichte in Ratekau nur ein kleiner Aspekt eines, vom Fundament her, unterschiedlichen Verständnisses von Erziehung.

Dieser spezielle Aspekt dreht sich um die Frage, wie wir unsere Kinder mit Verlust konfrontieren, nicht wahr? Haben wir immer ein Ersatz-Kuscheltier parat, falls das Schäfchen mal bei Oma vergessen wird? Oder setzen wir Kinder dem Verlust von z.B. Haustieren oder Verwandten auch aus?

Wie immer, wenn ich mir solche Fragen stelle, muss meine Tochter für ein Experiment herhalten: Ihr absolutes Lieblingskuscheltier ist neulich “verschwunden” – ich habe es nämlich auf einen Schrank geworfen. Nach zwei, drei Stunden bemerkte Carolina den Verlust und begann zu suchen. Erfolglos.
Trauer beim zu-Bett-gehen. Meine Frau wirft mir böse Blicke zu. Ich hingegen freue mich: Lina ist nicht zickig, es gibt keine Tragödie epischen Ausmaßes oder eine schlaflose Nacht. Nur gesunde Trauer und gesundes Grübeln.
Am nächsten Tag sucht sie “Tiger” nochmal. Erfolglos. Aber auch andere Dinge beschäftigen sie und der Tiger gerät in Vergessenheit.
Am dritten Tag schließlich ist Tiger von seiner Reise heimgekehrt. Carolina freut sich und alles geht seinen gewohnten Gang.

An dieser Stelle erahne ich die ersten bösen Blicke (und es kann sich nur noch um Minuten handeln, bis meine Schwiegermutter anruft und mich “zum Gespräch” bittet.. Smiley). Eine (ältere) Freundin von mir schüttelte ob dieser Geschichte erbost den Kopf. “Da bist du knallhart, oder?”, fragte sie mich. Und erzählte später, wie sie in den fünfziger Jahren im Alter von fünf losgeschickt wurde, um alleine die Kühe zu füttern.

Bevor nun in den Kommentaren das Geschimpfe über meine grausamen Erziehungsmethoden losgehen, lasst uns kurz überlegen, was genau geschehen ist:

Ein Kuscheltier ist für zwei Tage verschwunden.
Ein Kuscheltier ist für zwei Tage verschwunden.
Ein Kuscheltier.
Für zwei Tage.
Zwei.

Ich bin schon der Meinung, dass Kinder lernen sollten, mit Enttäuschung und Verlust umzugehen. Mit Frustration. Mit Rückschlägen. Rituale sind mir sehr, sehr wichtig. Kinder müssen sich auf bestimmte Begebenheiten verlassen können. Aber kein Ritual darf Selbstzweck werden. “Erst kommt die Wanze, dann die Wanzenordnung.” wie es in einem populären Theaterstück heißt.

Probierts doch mal aus! Smiley

SCHOCK-UNTERRICHT. BLUT. TOD. SCHLACHTUNG. KANINCHEN. (Update)

In etwa so dramatisch ist das mediale Echo, dass von Seiten der Lübecker Nachrichten, etwas zurückhaltender vom SPIEGEL präsentiert wird.

Was war geschehen?

Im Rahmen einer Projektwoche “Steinzeit” wurde an der Cesar-Klein-Schule in Ratekau (Schleswig-Holstein) ein Kaninchen geschlachtet, gebraten und anschließend verzehrt. Durchgeführt wurde der Mord das Massaker das Blutbad die Schlachtung von einem Landwirt und ausgebildeten Sozialpädagogen. (Ich vermute, dass er in seiner Freizeit Counter-Strike spielt und Tagebuch schreibt!!1eins1!elf!!).
Das Geschrei ist groß. Bei einigen Eltern. Und vor allem bei den Zeitungen. Zumidnest ist uns der trendy Live-Ticker direkt aus der Schule erspart geblieben. Ich ahne, dass die BILD-Zeitung morgen berichtet und die Sache weiter aufbauscht. Visionen von blutigen Titelbildern habe ich schon, wetten? Zwinkerndes Smiley

Zwei Dinge kommen mir in den Sinn: Ja, man hätte die Eltern von Anfang an informieren sollen müssen. Das ist ein dämlicher Fehler, der bei der Menge an eingebundenen Kollegen nicht hätte passieren dürfen. Und dass es Eltern gibt, die dann direkt zur Presse laufen, statt den Direktor anzurufen… naja. So Leute gibt’s halt.
[Nachtrag: Die Eltern wurden anscheinend doch vorher informiert...]
Zweitens: Eltern, die sich in Zeiten von Youporn und isharegossip darüber entsetzen, ihre Kinder wären seelisch dem Tod eines Kaninchens nicht gewachsen, leben in einer merkwürdigen Parallelwelt (…sind das vielleicht die neuen Nerds?) Neulich erst begegneten mir Eltern, die alle Kuscheltiere zwei- bis dreimal kaufen, falls eines mal verloren geht. Nichtmal an dieser Stelle darf Verlust stattfinden.
Es ist ja nicht so, als wäre der Landwirt mit der blutigen Axt durch die Schule gerannt. Nein! Die Kinder konnten sich von dem Tier verabschieden, hatten Zeit, das Kaninchen in den Kontext der Ernährung in der Steinzeit einzubinden und waren weder gezwungen, bei der Schlachtung, noch bei dem Braten dabeizusein. Das Problem scheint tatsächlich eher auf Seiten der Eltern zu liegen: “Jetzt habe ich noch mehr Probleme, wie ich meinen Kind erklären soll, wo das Fleisch herkommt.”
Irritiert grinst mich die Gesichter-Wurst aus dem Kühlschrank an. Ja, freut die Wurst sich denn am Ende gar nicht?

Ich selbst durfte/sollte/musste im zerbrechlichen Alter von ~15 unsere eigenen Hühner schlachten, ausbluten lassen, ausnehmen und einlagern. Zusammen mit meinen jüngeren Geschwistern. Das war eine gute Erfahrung – die mich dazu bewog, Vegetarier zu werden. Was im Sinne meiner Gesundheit, des Klimaschutzes und des globalen Miteinanders eine vernünftige Entscheidung ist. Meine Geschwister ernähren sich ebenfalls vegarisch. Bewusst. Nicht als Folge eines Schocks.

Ich finde die Aktion sehr gut: So soll Schule sein: Den Kindern etwas fürs Leben mitgeben und den Wert unserer Ressourcen deutlich machen. (Aber die Eltern darf man schon einbeziehen Zwinkerndes Smiley)

Update:
Trotzdem kann ich kritische Argumente nachvollziehen und dem auch zustimmen. Überspitzt formuliert käme nach “Wie kommt das Fleisch auf den Teller” womöglich die nächste Unterrichtseinheit: “Wie kommt die Oma in die Urne?”. Unterrichtsbeginn um zehn Uhr am Krematorium. Soweit muss es natürlich nicht kommen. Nicht alles, was man im Alltag findet, muss in der Schule entsprechend aufbereitet werden. Smiley

Zwei.

Lieber Lehrer,

vielen Dank dafür, daß Sie Ihr Leben meinem Kind gewidmet haben. Kann ich IRGEND ETWAS für Sie tun? Brauchen Sie IRGEND ETWAS? Ich bin für Sie da.

Warum?
Weil Sie meinem Kind – MEINEM SCHATZ – lernen und wachsen helfen. Sie sind nicht nur weitgehend für seine Fähigkeit verantwortlich, sich einen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern Ihr Einfluß wird sich auch sehr stark darauf auswirken, wie es die Welt betrachtet, was es von anderen Völkern auf dieser Welt weiß und wie es über sich selbst denkt.
Ich möchte, daß mein Kind glaubt, es könne alles erreichen – daß ihm keine Türen verschlossen, keine Träume in weiter Ferne sind. Ich vertraue Ihnen den kostbarsten Menschen in meinem Leben sieben Stunden jeden Tag an. Folglich sind Sie einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben!

Ich danke Ihnen.

Moore, Michael; “Stupid White Men”; Piper Verlag

tolle Elterngespräche

Letzte Woche hatte ich zwei tolle Elterngespräche. Eines betraf eine Schülerin meiner Klasse, der in der Pause das Handy von einer Kollegin abgenommen wurde.

“Und wann bekomme ich das wieder?”, fragte die Schülerin. “In einer Woche”, gab die Kollegin zurück, und fügte etwas flapsig hinzu, “aber natürlich können auch deine Eltern vorbeikommen, und es sich abholen!”

Diese Bemerkung nahm sich die Schülerin zu Herzen, rief ihre Mutter an und die kam zwanzig Minuten später in die Schule, um besagtes Handy abzuholen. Für uns Lehrer ist so etwas immer eine angespannte Situation, die leicht in offenem Disput eskaliert (“Ihr Kind hat…!” – “Mein Kind würde nie…!”).

Ich konnte mir etwas Zeit nehmen, um mit der Mutter ins Gespräch zu kommen. Wenn sie das Handy jetzt mitnähme, dann würde sie ihre Tochter im Grunde vor den Konsequenzen der Lehrer schützen – und am Ende kann dies dazu führen, dass die Tochter Eltern und Lehrer gegeneinander ausspielt: Wir Lehrer haben keinerlei Handhabe mehr, weil “Mama sie immer raushaut”.

Wir haben Fälle, in denen die Kinder vor Nacharbeit, vor Hausaufgaben, vor Sportunterricht und eben eingesammelten Handys “beschützt” werden. Mit der Folge, dass die Sprößlinge sich immer mehr erlauben und schließlich “die Kurve nicht kriegen”.

“Wenn Sie jetzt aber”, erklärte ich jener Mutter, “das Handy hierließen, würden Sie Ihrer Tochter deutlich zu verstehen geben, dass Lehrer und Eltern am gleichen Strang ziehen. Dies Sie unsere Arbeit voll unterstützen. Auch auf die Gefahr hin, dass das Wochenende mit Ihrer Tochter nicht so schön wird, wenn sie erfährt, dass das Handy in der Schule bleibt… Zwinkerndes Smiley

Die Mutter verstand den Punkt und schob das Handy zurück. “Das sind Punkte, die ich gar nicht bedacht hatte. Behalten Sie es bis Freitag. Ich stimme Ihnen absolut zu.”

Großartig! Natürlich wird die Tochter zu Hause schimpfen. Auf die doofe Mutter. Auf die doofen Lehrer. Und überhaupt.
Was sie nicht erkennt ist, dass ihre Mutter nun im Lehrerzimmer höchste Achtung genießt. Sie ist nämlich jemand, die uns unterstützt. Die uns Lehrer nicht als “Feinde” sieht. Die mit uns aktiv daran arbeitet, dass ihre Tochter eine richtig tolle Karriere in der Schule machen wird. Und natürlich wird dies wiederum Einfluss auf die Schulkarriere der Tochter haben.

Einfach schön! Solche Elterngespräche wünsche ich mir öfter!