“Noch einmal stürmt, noch einmal, liebe Freunde!”

IMG_20160725_002424Das neue Schuljahr beginnt und ich scharre innerlich mit den Hufen. Endlich geht es weiter.

Mein blödes Hühnerhaus hat mich in den vergangenen Wochen so sehr beschäftigt, dass ich kaum zum planen und träumen und spielen von Unterricht gekommen bin. Entsprechend schlecht vorbereitet fühle ich mich und merke mir: Noch einmal soll mir das nicht passieren. (Was natürlich gelogen ist – denn ich habe schon wieder zwei weitere Projekte im Hinterkopf, die einfach nicht von dort verschwinden wollen….)

Aufs neue Schuljahr freue ich mich sehr – spannende Dinge stehen an:

Meine eigene Klasse ist inzwischen in der Jahrgangsstufe 9 angelangt. Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich “meine Babys” kennenlernte. Wahnsinn, wie die Zeit rast. Ich habe in den vergangenen Monaten recht wenig über den Inklusionsanteil meiner Klasse geschrieben – das liegt daran, dass die Einbindung meiner Glasknochenmädels reibungslos funktioniert. Der schulische Anteil läuft perfekt und über die sozial-emotionalen Hürden von Inklusion allgemein schrieb ich bereits an anderer Stelle.
Die ersten zwei Schulwochen verbringt meine Klasse im Praktikum. Der eine ist zur Polizei gegangen, ein anderer ins physikalische Institut zum Forschen, hier zwei ins Handwerk und dort einer zur Zeitung. Mit meiner (wunderbaren) Co-Klassenlehrerin werden wir sie in den kommenden Tagen besuchen.

Außerdem bekomme ich nun regulär eine Vorbereitungsklasse. Die sogenannten “Willkommensklassen” dürfen immer nur ein Jahr bestehen, danach nennt man sie “Vorbereitungsklassen”. (Auf mich wirkt das wie der Unterschied zwischen Nachsitzen und Nacharbeiten – aber die Erfinder werden sich schon etwas dabei gedacht haben..) Weil meine Kollegen viel besser Deutsch unterrichten können, als ich, werde ich dort Technik geben. Das ist schön und handfest und mal etwas anderes, als den ganzen Tag Vokabeln pauken.

Außerdem hat mir mein Workbook Elektronik auch im Nachhinein so  gut gefallen, dass ich in diesem Jahr ein weiteres Arbeitsbuch gestalte: “Bautechnik”. Es soll um Materialforschung gehen und Baustatik, Wärmedämmung und Budgetplanung. Und natürlich soll das ganze am Ende in ein Projekt münden, das den Radios in nichts nachsteht. Wenn ich ganz arg motiviert bin, könnte ich die Inhalte komplett selbst erstellen und es hinterher zum Download anbieten oder bei Amazon für einen Obulus verkaufen – das letzte Jahr hat ja gezeigt, dass das nicht so schwierig ist.

Ins Jahr gehe ich weiterhin mit meinem Surface, das für mich auch nach bald einem halben Jahr das Gerät schlechthin ist. Tatsächlich kommt es jeden Tag zum Einsatz. Ganz intensiv ist die Kooperation mit Kollegen via OneNote. Wir sind inzwischen ganz schön viele, die sich gegenseitig Unterricht zuschieben und Projekte gemeinsam planen. Das macht sauspaß und ist unbedingt empfehlenswert. Außerdem habe ich mich intensiv mit Tapucate-Alternativen auseinandergesetzt – mit dem Ergebnis, dass ich dabei bleibe. Die Emulation eines Android-Tablets ist zwar nicht wirklich elegant, aber Tapucate schlägt alle Konkurrenten um Längen.

Also.. morgen geht’s los – ich kann es kaum erwarten.

Feiern.

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Vor vielen, vielen Jahren wurde mein Vater an seinem Geburtstag von einem Arbeitskollegen unter einem fadenscheinigen Grund aus dem Haus gelockt, während meine Mutter eine riesige Party vorbereitete. Als er abends endlich heimkam, war das Haus (“Überraaaaaaaschung!”) voller Leute und es wurde gefeiert und gelacht.

Vor einigen Tagen bat mein Bruder mich, ihm beim Bau einiger Möbel zu helfen.

Ihr ahnt, wie die Geschichte ausgeht.

Als ich abends heimkam, war der Garten voller Kollegen und Nachbarn Freunde und es wurde bis in die Nacht hinein gelacht und gegessen und gefeiert.

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Das Leben ist zerbrechlich. Wir müssen jeden Tag genießen.

Mit all diesen Menschen und der wunderbarsten Ehefrau von allen auf der Terrasse zu sitzen… einer der tiefsten Abende meines Lebens.

“Leg doch mal das Ding weg”

IBM Werbung für ihren neuen Computer…titelt der SPIEGEL und wirft die Frage auf, ob wir die Technik beherrschen oder inwieweit Smartphones eher uns dominieren.

Im wunderbaren Techniktagebuch ist mir die Geschichte zweier unterschiedlicher Schüler begegnet, die ich mit freundlicher Genehmigung hier posten darf.

Das Schweigen der Mädchen

Es ist Sommer. Nicht zum ersten Mal im Leben, aber zum ersten Mal in unserer Familie hat sich ein hochinteressanter Spalt aufgetan. Denn das eine Kind (ein Mädchen, 11 Jahre alt und auf dem Weg in Klasse 7 am Gymnasium – ich erkläre das so genau, weil das vielleicht für das Gesamtbild wichtig sein könnte) sitzt traurig in der Ecke, auch bei schönstem Sonnenschein.

Das andere Kind, ein Junge, 12 Jahre alt und auf dem Weg in Klasse 8 am Gymnasium, sitzt fröhlich allein in seinem Zimmer und plaudert bis spät in den Abend mit seinen Freunden, von Einsamkeit keine Spur. Dabei verlässt er seinen Rechner kaum, höchstens um nachzusehen, ob die Sonne endlich untergegangen ist, damit er mit seinen Schwestern raus kann, um Inliner zu fahren oder auf den Bolzplatz zu gehen. Alle meine Kinder verabscheuen das Tageslicht, ich kann mir das nicht erklären, aber es ist so. Wenn irgend möglich, sind sie draußen, sehr gern sogar, aber nur wenn keine Sonne scheint. Und wenn es nicht zu heiß ist. Am besten, wenn es regnet.

Aber zurück zum Spalt.

In meiner Jugend in den sehr späten 80ern gab es in meinem Viertel Väter, die mit Eintritt der Pubertät ihrer Töchter kleine Telefonschlösser kauften, die man in die 3 der Wählscheibentelefone klemmte und mit einem kleinen Schlüssel abschließen konnte. So ließen sich noch Notrufe absetzen – zumindest konnte man 112 wählen –, aber es ließen sich keine kostspieligen Telefonate mit der Freundin im Nachbarort oder dem “Brieffreund” in Timbuktu führen.

In meiner gesamten Erwachsenenzeit galt das Klischee des schweigsamen Mannes und der hochkommunikativen Weiblichkeit, und als die Kinder kamen, hatte ich zunächst den Eindruck, dass an Klischees vielleicht mehr dran ist, als man so wahrhaben will.

Pustekuchen.

Die so schweigsamen Jungs sitzen alle in ihren Jugendzimmern und skypen miteinander, was das Zeug hält, sie halten stundenlang verbale Kommunikation durch, sie besprechen in hochkomplexen Sätzen hochkomplexe Online-Strategien in Online-Strategiespielen miteinander, oder sie spielen stundenlag voller Glück Bedwars und machen dabei Tiergeräuschimitationswettkämpfe. Das weiß ich aus sicherer Quelle.

All das, während die angeblich so kommunikationsfixierten Mädchen allein in ihren Jugendzimmern sitzen und stumm für sich allein Schminktutorials bei YouTube schauen, weil die Eltern der anderen Mädchen ihnen weder ein Smartphone gekauft haben noch ein Notebook, und wenn das doch vorhanden ist, dann dürfen sie keine der gefährlichen Apps wie Skype benutzen. Auch das weiß ich aus sicherer Quelle, ich sage nur: Elternabend.

Das Ergebnis: Während das eine Kind in den Ferien mit all seinen weit verstreut wohnenden Freunden täglich für Stunden Kontakt haben kann, ist das andere Kind von seinen ebenfalls verstreut wohnenden Freundinnen vollkommen abgeschnitten, weil die “nur Notfallhandys mit Tasten” haben und darauf natürlich kein WhatsApp.

Ich bohre nach und tatsächlich: In der Klasse der Tochter sind es die Jungs, die miteinander reden, sich gegenseitig Apps und Spiele auf den Telefonen zeigen und ohne Probleme stundenlang darüber reden können, während die Mädchen das mangels Geräten nicht können – wenig verwunderlich, dass in dieser Klasse kaum Kontakte zwischen den beiden Gruppen bestehen, während es in der Klasse des Sohnes, wo nahezu alle Kinder unabhängig vom Geschlecht recht gut mit Geräten ausgestattet sind, eine gut funktionierende Klassengruppe bei WhatsApp und im sogenannten real life viel weniger Berührungsängste gibt (und sehr viel nettere Elternabende).

Es ist vielleicht zu stark, aus einer einzelnen Situation etwas Größeres abzuleiten, aber ich bin sicher, die weit bessere Klassenatmosphäre hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Kinder außerhalb der Schule einen leicht zugänglichen Kommunikationskanal haben. Und (fast) alle ein Handy haben, wirklich alle aber Zugang zum Netz.

(Alina Smithee)

Eine ganz spannende Sichtweise und – klar – interessiert mich eure Erfahrung. Seht ihr das ähnlich? Wie wird das an eurer Schule gehandhabt? Wie haltet ihr das bei euren eigenen Kindern?

Ich freue mich auf eure Berichte.

(Passend dazu klagt Arne Ulbricht über die Smartphone-Eltern auf Spiegel Online. Eine lesenswerte Gegenmeinung: “Technikfeinde sind eine Gefahr für unsere Kinder – nicht Smartphones”.)

Party on, Garth!

In der kommenden Woche feiere ich Geburtstag.
Ich bin nicht so der Party Mensch und gehöre eher zu denen, die an dem Tag ihr Telefon ausstöpseln1. Diesen Tag besonders zu ehren, weil man.. nunja.. ein weiteres Jahr überlebt hat, erscheint mir seit jeher irgendwie fremd (ich bin auch wirklich, wirklich schlecht im Feiern).

IMG-20160813-WA0012Im Laufe der Jahre habe ich es mir jedoch zu eigen gemacht, den Alltag zu feiern. Gestern Abend habe ich mit meiner Frau und meiner Tochter abends einen Film geguckt, anschließend noch lange gemeinsam auf dem Rücken im Garten gelegen, ein Glas Wein getrunken und Sternschnuppen gezählt.

Einer dieser kostbaren, unendlich wertvollen Abende, die sich in die Seele einbrennen.

Meine große Tochter wird langsam erwachsen und verbringt die Abende mit uns, die Kleine entdeckt das Leben, ihren eigenen Willen und eine unglaubliche Form von Humor. Ich habe das unsagbare Glück, das meine beiden Kinder Sonnenkinder sind: Sie wachen morgens auf und begrüßen fröhlich den Tag, in freudiger Erwartung, was er bringen möge. Ich genieße das zutiefst.

Einer der wunderbarsten Verse der Bibel lautet “Ich will dich segnen und du sollst ein Segen (für andere) sein.” Er begleitet mich seit langem und erinnert mich daran, dass mein eigenes Glück kein Selbstzweck ist. Es nützt nichts, wenn ich beschenkt bin, glücklich bin. Es ist wichtig, das zu teilen, zu inspirieren, Mut zu machen und zu begleiten.

Lebe ich so? Immer wieder stelle ich mir diese Frage.

In der kommenden Woche feiere ich Geburtstag. Ein Tag wie jeder andere.
Aber zu meinem Glück feiere ich jeden Tag.

1: Für die jüngere Leser: Früher waren Telefone mit Kabeln fest an einer Art Telefon-Steckdose befestigt. Zog man das Kabel heraus, war das Telefon (mit dem man ausschließlich (!) telefonieren konnte) nutzlos und man war nicht erreichbar.

2: Für die jüngeren Leser #2: Der Titel ist ein Filmzitat aus einer Zeit, als Telefone noch Kabel hatten.