Montessori vs. Dorfschule

IMAG0127_1Ich möchte heute gerne etwas über die unterschiedlichen Schulen erzählen, die meine Tochter so besucht hat. Meine Sichtweise ist dabei total subjektiv und ist bei anderen Eltern, anderen Kindern, anderen Schulen mit Sicherheit ganz anders. Aber ich bin einige Male nach meiner Einschätzung gefragt worden – und was ist das Internet anderes, als eine riesiges schwarzes Brett? Womöglich hilft es dem ein oder anderen, Klarheit zu gewinnen – zumindest aber mir selbst, wenn ich meine Gedanken aufschreibe.

Die ersten drei Schuljahre war Carolina auf einer Montessori-Grundschule. Bestandteile waren jahrgangsstufenübergreifender Unterricht, Inklusionskinder mit emotionalem Förderbedarf (meist) zwei Lehrern im Klassenzimmer, ein Ganztagskonzept mit Hausaufgabenbetreuung und sehr individuellem, offenem Unterricht. Textzeugnisse. Etwa 25 Kinder in der Klasse.

Jetzt ist Carolina in einer kleinen Dorfschule. Nur 14 Kinder in der Klasse. Sehr strenge Bewertungsmaßstäbe. Sehr strukturierter Unterricht bis mittags. Nachmittags oft Lernen am Küchentisch.

Im Vorfeld haben wir uns ganz bewusst für die Montessori-Schule entschieden. Im Nachhinein wäre unsere Entscheidung nicht so klar ausgefallen.

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#30 Wie sollen was tun? Mit unseren.. was!? (Teil 3)

Der Punkt, auf den wir in unserer kleinen Abraham-Reihe zusteuern ist sehr einfach – und gleichzeitig einer der Hauptgründe, weshalb sich so viele Menschen an der Bibel aufreiben.

Um ihn zu erreichen noch eine kleine Rückschau:

Der erste Teil der Bibel handelt von einer Sippe. Einer neuen Sippe, einer, mit der Berufung, die ganze Welt zu segnen. Abraham ist der Vater dieses Stammes und er ist aufgefordert, Gott zu vertrauen – inklusive der Prophezeiung, er als 99 Jahre alter Mann würde einen Sohn bekommen.

Abraham lacht übrigens darüber.

Gott bringt Leute in der Bibel zum Lachen (Wenn du den Begriff “Wort Gottes” hörst, kommt dir “lachen” bestimmt als erstes in den Sinn, oder? Vielleicht sollte es das.)

Dieser Geschichte folgend erleben wir, dass Sippen Bräuche, Initiationsriten und Rituale brauchen. Wege um zu entscheiden, wer es ernst meint, wer dabei ist und wer nicht, wer ein Teil dieser neuen Bewegung sein wollte und wer nicht.

Einer dieser Bräuche dieser umherwandernden Stammesangehörigen, tausende von Jahren in der Vergangenheit, war die Beschneidung. Als Zeichen, als Merkmal, als Demonstration der eigenen Identität.

Bis das nicht mehr galt.

Zu der Zeit, als die ersten Christen die Botschaft von Jesus verbreiteten, war die Frage der Beschneidung in den Augen vieler Zeitgenossen ganz zentral. Einige bestanden auf diesem jahrhundertealten Symbol der Zugehörigkeit, während andere – wie Paulus – das nicht taten.

Dieser Konflikt wird im Galaterbrief des Neuen Testaments beschrieben, in dem Paulus sich fürchterlich über die Beschneidungsanhänger aufregt (neudeutsch: einen ‘Rant’ verfasst) und sogar behauptet, diese Leute seien verflucht und jeder, der ihnen Glauben schenken würde, sei verhext. An einem Punkt schreibt er sogar

Sollen doch jene Leute, die euch aufhetzen, ´so konsequent sein und` sich ´nicht nur beschneiden, sondern` auch gleich noch kastrieren lassen!
Galater 5, 12

Das griechische Wort für “kastrieren” an dieser Stelle ist apokopto, was eigentlich “abschneiden” bedeutet.

Sollen Sie sie sich doch abschneiden.

Nun, wie kann es sein, dass die Beschneidung – ein zentrales Element der Geschichte zu Beginn – schließlich zu einem Problem wurde?

Wie kann es sein, dass etwas, das von Gott augenscheinlich als gut und gewollt betrachtet wurde, von Paulus als ‘Fluch’ bezeichnet wurde.

Wie wurde dieses Zeichen des Vertrauens in Gott zu etwas, dass Paulus sinngemäß als unchristlich bezeichnete?

Das eine war damals, das andere ist jetzt.

Die Bibel entfaltet eine Geschichte, wie eine Blume ihre Blütenblätter. Ein wachsendes Bewusstsein, ein größer werdendes Verständnis des Göttlichen und wir müssen es nach und nach mitverfolgen, um es zu verstehen.

Wenn wir aufwachsen, dann tun wir dies in Stufen.

Man denke an die Pubertät. Während wir sie durchliefen haben wir viel Merkwürdiges getan und noch mehr Merkwürdiges von uns gegeben. Über Jahre hinweg, nicht wahr?

Ist die Pubertät nun richtig oder falsch?

Das ist doch nicht die Frage.

Ein passenderes Wort wäre notwendig.

Die Pubertät ist ein notwendiger Schritt auf dem Weg des Aufwachsens. Sie bringt alle möglichen körperlichen und seelischen Veränderungen und Schwierigkeiten mit und doch – ohne sie blieben wir für immer Kinder. Wir wären nicht, wer wir heute sind.

Paulus spricht in ähnlicher Art über Abraham und die Entwicklung hin bis zu Jesus. Er schreibt, das wir nicht mehr länger das gleiche Gottesbild haben, das sie einst minderjährig waren und das Gesetz seine Schuldigkeit erfüllt habe, bis etwas Neues kam. Sie seien erwachsen geworden.

Das eine war damals, das andere ist jetzt.

Wenn die die Bibel lesen, dann müssen wir das als eine sich entwickelnde Geschichte verstehen, die ihre eigenen Wachstumsschübe und Entwicklungsstufen reflektiert.

Wenn wir zwei Verse aus verschiedenen Stellen der Bibel nebeneinander halten, dann scheinen sie oft sehr unterschiedliche Dinge auszusagen – aus dem Grund, weil sie sehr unterschiedliche Dinge aussagen.

Als Bibelkritik ist das gang und gäbe. Menschen zitieren einen Vers hier und vergleichen ihn mit einer Geschichte dort und erwähnen eine Passage aus einem früheren Teil oder eine Idee von weiter hinten als Beweis dafür, wie primitiv oder widersprüchlich die ganze Bibel ist.

Das ist eine naive Perspektive (egal, wie intelligent die Person sein mag).

Man muss die Bibel mit Verstand lesen. Man muss sich fragen, wo man in der Geschichte gerade ist. Man kann sie nicht als zweidimensionales Bild betrachten, bei dem man sich hier und da einen Aspekt herausgreift, sondern als eine Reflektion davon, wie Menschen die Welt zu verschiedenen Zeiten betrachtet haben.

Mir begegnen immer wieder Fragen, die mit..

Warum kann Gott nicht einfach…

gefolgt von etwas wie

alles Leid der Welt entfernen?

oder

den Himmel (oder was wir uns darunter vorstellen) für alle direkt real machen?

oder

den Baum aus dem Garten entfernen?

oder

eine Alternative zu der ganzen Jesus-Story erfinden?

Hinter diesen Fragen steckt die Annahme, dass die Bibel eine Version der Geschichte beschreibt, die leicht hätte verändert werden können, wenn Gott sich nur etwas anders (klüger?) verhalten hätte.

Aber das entspricht der Bibel gar nicht.

Wir haben einen hier Bericht über die Entwicklung der menschlichen Zivilisation und ihres Gottesbildes. Zu fragen, warum bestimmte Dinge nicht anders hätten laufen können ist zwecklos – und es entfernt uns von einem Verständnis dafür, wer wir heute sind.

Das hat entscheidende Auswirkungen darauf, wie wir von unserem Leben denken.
Glauben wir noch die gleichen Dinge, die wir vor zehn Jahren glaubten? Vertreten wir noch die gleichen Standpunkte? Haben wir das gleiche Welt- und Menschenbild wir zu der Zeit, als wir 15 waren?

Vermutlich nicht. Das war damals, das heute ist jetzt. Wir können nicht zurück gehen und diese Ansichten verändern. Unsere (Jugendsünden?) Handlungen entsprachen unserem Weltbild – heute sehen wir die Dinge anders.

Unsere Erfahrungen haben uns zu dem gemacht, wer wir heute sind. Es wäre falsch, deshalb verbittert zu sein.

Wir wachsen, weil sich unsere Eltern um uns gekümmert haben. Wir erfahren die Welt und handeln danach. Und wir reflektieren unser Verhalten und verändern es. Weitere Erfahrungen lassen uns wieder anders handeln.

Schritt für Schritt für Schritt.

Wachstum geschieht langsam.

Wenn Paulus mit den Menschen über die Beschneidung spricht, dann erklärt er etwas Bedeutsames zu der Zeit, etwas, was jenen Menschen als Symbol diente, als Versprechen darauf, was einst kommen mag.

Es war nicht falsch. Es war damals.

Aber damals ist nicht jetzt.

Wenn Menschen ein damals nehmen und versuchen, es zu einem heute zu machen, dann verfehlen sie den Punkt, sie arbeiten genau entgegen dem, wie ich die Bibel verstehe.

(Gibt es Dinge die damals wahr waren und es heute auch sind? Na klar.)

Diese Bibliothek erzählt von einem Gott der uns zu jedem Punkt unserer Entwicklung begegnet und der uns einlädt, ihm zu vertrauen und zu glauben, dass da noch mehr ist.
Das wir gerade erst am Anfang sind. Das alles gerade erst begonnen hat.

Weil damals war damals … aber jetzt ist jetzt.

#29 Wir sollen was tun? Mit unseren… was!? (Teil 2)

Abraham war neunundneunzig, als er beschnitten wurde.
Genesis 17

Wir sind noch nicht ganz fertig mit unserer kleinen Abraham-Reihe innerhalb unserer größeren Reise.

Heute geht es um Beschneidung.

(Komm schon… wir schreiben das Jahr 2015! Und du schreibst über Beschneidung..!?)

In dieser Geschichte über Gott und Abraham gibt es eine zweite, tiefere Ebene die uns etwas darüber erzählt, wie wir wachsen und werden – etwas, das enorme Auswirkungen auf unseren Alltag hat.

Zunächst ein paar Worte über “Beschneidung”: Wir haben auf unserer Reise immer wieder die Beobachtung gemacht, dass die frühen Teile der Bibel vom Entstehen einer neuen Sippe handeln. Einer Sippe, die von Abraham geführt wird und deren oberste Maxime es ist, der Welt Gottes Liebe nahezubringen.

Nun – wie gründet man eine Sippe?

Es gibt mehrere Möglichkeiten – die offensichtlichste ist: Man bekommt Kinder.

Und…?!

Man hat Sex.

…?!

Guter Einwand! Wir müssen daran denken, dass die Menschen der damaligen Welt nicht unser Verständnis von Biologie, von Zygoten und Eiern und all dem, besaßen. Damals beobachtete man schlicht, dass eine Frau nicht schwanger wurde, bis sie mit einem Mann zusammenlag. Augenscheinlich war der Mann derjenige, der das Leben/die Macht/die Zauberkraft in sich trug. Und um diese Kraft auf die Frau zu übertragen, benutzte er seinen…
Alle noch dabei?

Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch.

Gott zu Abraham, Genesis 17

Die Beschneidung war die Form, wie diese Menschen (okay.. Männer) ihre Zugehörigkeit zu diesem neuen Stamm bewiesen. Ein Kerl, der ohne Drogen oder Schmerztabletten einen Teil seines wichtigsten/verletzlichsten Körperteils abschnitt, war eine Art zu zeigen: “Ich bin dabei! Ich vertraue. Ich möchte meinen Teil zu dieser neuen Welt beitragen.”

Stellt euch Abraham vor, 99 Jahre alt, wie er in ein Handtuch beißt, während sein Nachbar Jürgen zu einem Stein greift und an die Arbeit geht… (Es ist ja nicht so, als ob sie damals schon scharfe Metallmesser oder ähnliches gehabt hätten.)

(Wenn sich der ein oder andere gerade fragt, warum irgendjemand klaren Verstandes so etwas tun sollte: Erinnert euch, dass Initiationsriten überall auf der Welt verbreitet sind, bei denen Menschen eine Form von Qual/Schmerz erleiden; ob das nun eine absurde Studentenverbindung, eine Sportmannschaft oder das interne Firmenwettrennen ist, wer mehr als 100 Stunden in der Woche arbeiten kann.)

Während die Geschichte in der Bibel voranschreitet, wird die Beschneidung zu mehr als einem Symbol. Sie teilt die Welt in diejenigen ein, die beschnitten sind und andere (Heiden und Ungläubige) die es nicht sind (vielleicht kennt jemand die Geschichte des Schäfers David, der von Goliaths Untaten hört und seine Männer fragt wer denn dieser unbeschnittene Philister sei).

Nun – ein schneller Vorlauf ins Neue Testament.
Der Apostel Paulus reist um die Welt, um den Menschen von Jesus zu erzählen, auch Abrahams Nachkommen kreuzen seinen Weg. Und was predigen sie anschließend den Menschen?

Sie sagen, dass – wenn man Jesus nachfolgen wolle – man beschnitten sein müsse. Das sei Teil des Deals. Dieses Zeichen gelte seit Anbeginn.

Stellt euch eine Gruppe von Griechen oder Römern vor, die nie zuvor von Abraham gehört haben, nie zuvor die Torah gelesen und keinen Schimmer haben, wer dieser Mose sein soll (“Spielt der nicht bei Gladbach in der Innenverteidigung?”). Sie hören nur von diesem Jesus und dass sie ihm folgen sollen und jetzt wird ihnen gesagt, dass sie überdies noch eine kleine Operation über sich ergehen lassen müssten.

Diese Griechen und Römer stehen da und sagen…

“Wir sollen was tun? Mit unseren…was!?”

Vera & Graphen gehen

IMAG0217Die Vera 8-Prüfung liegt hinter meiner achten Klasse und ich bin mit dem Abschneiden zufrieden. Die diesjährige Mathematik-Vergleichsarbeit war gut zu bewältigen und hatte eigentlich keine blöden Aufgaben. Obwohl man über die Aussage solcher Diagnose-Tests streiten kann, empfinde ich sie als positiv: Die Schüler, die über ein breites Fachwissen verfügen und über die Jahre gelernt haben, selbstständig Probleme zu lösen und zu denken, kamen ziemlich gut klar. Jene, die eher der Strategie des Bulimie-Lernens folgen (vor der Arbeit alles in sich hineinstopfen und dann auskotzen) hatten größere Schwierigkeiten. Letztlich bestätigt das Ergebnis aber die Beobachtung, die ich im Schulalltag mache. Unter den Schülern herrscht weitgehend Zufriedenheit – die überwiegende Mehrheit hatte den Eindruck, gut klargekommen zu sein.

IMAG0218Die Doppelstunde heute morgen (mit dem gleichen Kurs) habe ich mit der Einführung in die linearen Funktionen verbracht. Dazu wurden zwei Mannschaften gebildet. Einer zog eine Karte (s.Bild) mit einem abgebildeten Graphen und musste diesen ablaufen. Der Rest der Klasse musste dann herausfinden, wie der passende Graph aussieht.
Das verläuft eigentlich immer lustig und am Ende gab es ein Unentschieden zwischen den AtomAmeisen (abgekürzt AA) und den Piesel-Piranha (abgekürzt Pipi). Schöne Aspekte sind der Transfer von Alltagsbeobachtungen in die mathematische Sprache und überhaupt, dass man sich mal bewegt. (Sinnvolles) Spielen im Unterricht ist sowieso immer gut.

Die Karten zum Spiel “Graphen gehen” gibt es übrigens hier zum Download.

Lehrerwechsel vs. Kontinuität?

20140827_130625Im Sommer werde ich meine Klasse schon drei Jahre leiten. Dann ist Halbzeit. Ein guter Augenblick, sich Gedanken zu machen, ob ich die Klasse behalten oder abgeben möchte.
An meiner Schule werden stets zwei Klassenlehrer eingesetzt und nachdem meine erste Co mich wegen ihrer Familienplanung verlassen hat, habe ich mit ihrer Nachfolgerin genauso viel Freude im Alltag. Als wir uns über die Zukunft unserer Klasse unterhalten wird uns beiden schnell klar: Egal was und wie – aber wir bleiben zusammen.

Wir nehmen uns Zeit, viel Zeit, um uns Gedanken zu machen. Zwei Aspekte stehen zentral im Vordergrund:

  • Was ist gut für die Klasse? und
  • Was wollen wir eigentlich?