Charakterschwäche

221131_276677482437751_1033654548_oEin Oberstufen-Schüler, den ich inzwischen nicht mehr unterrichte, begegnet mir auf dem Flur. Er ist Schalke-Fan und ich kann von weitem sein süffisantes Grinsen sehen.

Doch noch bevor er mir irgendeinen Spruch reindrücken kann, quatsche ich ihn zu. “Weißt du, Michel”, sage ich, “auf jemanden einzutreten, der schon am Boden liegt… Das sagt einiges über die Person aus. Über ihren Charakter.”

Ich blicke ihn mit enttäuschter Miene an – wie Lehrer oft schauen, wenn einer ihrer Zöglinge etwas richtig Dummes gesagt hat.

“Und wenn ich ehrlich bin, dann macht mich das wirklich betroffen. Ich hätte da einfach mehr von dir erwartet. Aber so.. ich bin ehrlich traurig darüber.”

Der Schüler nickt verstehend.
”Herr Klinge”, erwidert er freundlich, “ich trete nicht nur, ich spucke auch auf Leute, die am Boden liegen.”

Schalker. Muss ich mehr sagen…?!

Die Dorfschullehrerin

Kennt ihr das, dass der obere Rücken- und Nackenbereich völlig verspannt ist?

Ich geh also zur Massagepraxis in Eiserfeld (das Dorf, in dem auch unsere Gesamtschule liegt). Und als ich da so halb nackt auf dem Bauch (Gottseidank!) auf der Massagepritsche liege, kommt der Physiotherapeut mit einem fröhlichen “Guten Morgen, wen haben wir denn da?” herein. Es liest ab “Eva Tellmann. Ah! Ich war bei Ihnen an der Schule!”

Scheiße. Ich verdrehe mich, um den jungen Mann anzuschauen, ohne mich gänzlich zu entblößen. Zum Glück war er nicht MEIN Schüler! Aber ich kann mich gut erinnern, dass ich Klassenlehrerin in seiner Parallelklasse war. Dem ehemaligen Schüler ist das alles gar nicht unangenehm und er plaudert freundlich drauflos über alte Lehrer und gemeinsame Bekannte.  Wunderbarerweise hat er wirklich heilende Hände und versteht sein Handwerk.

Deswegen merke man sich: Seid nett zu den Kindern in der Schule, denn sie werden eure Gynäkologen, Feuerwehrleute, KFZ-Mechaniker und Bestattungsunternehmer.

“Wie aus dem Gesicht geschnitten”

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“Deine Tochter sieht dir so ähnlich”, sagen die Leute ständig. “Besonders die Augen”, sagen sie.

Manchmal zu mir.

Manchmal zu meiner Frau.

Ich sehe das nicht. Für mich sehen Babys alle gleich aus.

Ein weiteres Halbjahr ist rum. Die Tage sind gerade ganz wunderbar aber ich stelle verärgert fest, dass mein Blog mir zu “berufsorientiert” geworden ist. Das nervt mich etwas, weil mein Leben nicht nur aus Schule besteht.

Notiz an mich selbst:
In Zukunft wieder mehr Blödsinniges aus dem Alltag, wie die Geschichte, als wir die Milchzähne vom Hund in Carolinas Milchzahndose gelegt und ihr erzählt haben, sie hätte als Baby solche Reißzähne gehabt.

#28 Wir sollen was tun? Mit was?

IMAG0030Ich bin selbst ganz aufgeregt über unserer Bibelreihe. Einige Texte liegen schon hinter uns, aber da ist noch mehr auf dem Weg. Am spannendsten finde ich die abstrusesten Texte – diejenigen, mit denen ich am wenigsten anfangen kann – und heute kommt wieder so einer: Wir wollen Gott heute in einem rauchenden Ofen suchen (ich meine – jeder kann Gott in einem brennenden Busch finden – aber ein oller Ofen? Kommt schon!).

Zunächst ein Vers aus der Bibel
dann eine Geschichte.

Hier ist der Vers:

Die Sonne war inzwischen untergegangen, und es war dunkel geworden. Da sah Abram einen rauchenden Ofen, und eine Feuerflamme fuhr zwischen den Fleischstücken hindurch.
(Genesis 15)

Und jetzt die Geschichte:

Notenschlüssel

IMAG0026_1Carolina ist in ihrem letzten Grundschuljahr.
Das Zeugnis, welches sie nächste Woche erhält ist (mehr oder weniger) entscheidend für den weiteren Verlauf ihrer Schulkarriere. Daher habe ich mir ihre Klassenarbeiten in den letzten Monaten etwas genauer angesehen und bin irritiert: Nicht, dass ihre Noten schlecht wären – aber oft reicht schon ein Fehler, um kein “sehr gut” mehr zu schaffen. Die Bewertung scheint mir auch an anderer Stelle oft hart.

Beim Schulentwicklungsgespräch frage ich die Klassenlehrerin nach dem Notenschlüssel der Schule. Ein solcher Schlüssel beschreibt, wie viel Prozent richtige Antworten welcher Note entspricht.

”Ab 98% gibt es ein ‘sehr gut’” erklärt mir die Kollegin. “Ab 88% ein ‘gut’, ab 75% eine ’Drei’ und für eine ‘Vier’ braucht man 50%.”

Eine Grundschulkollegin aus dem Bekanntenkreis bestätigt mir, dass sie ähnlich bewerten würde.
Ich bin erstaunt. Erst recht, wenn ich den Notenschlüssel mit dem meiner Schule vergleiche. Genau wie die Grundschule ist auch eine Gesamtschule eine Schule “für alle Kinder”. Anders als Hauptschule oder Gymnasium haben wir eine extrem unterschiedliche Schülerschaft. Unser Notenspiegel orientiert sich an den Vorgaben für die Zentralen Abschlussprüfungen bzw. für das Abitur in NRW. Alle Klassenarbeiten in allen Fächern werden bei uns nach dem gleichen Schlüssel bewertet:

100% – 87% Note 1
86% – 73% Note 2
72% – 59% Note 3
58% – 45% Note 4
44% – 18% Note 5
17% – 0% Note 6

 Da ergibt sich ein anderes Bild.

Ich drücke meine Irritation im Gespräch auch aus. “Wenn ich erst ab 98% ein ‘sehr gut’ verteilen würde, dann wäre das für viele Kinder ein ziemlich trauriges Schulleben.” Die Grundschulkollegin stimmt mir zu, erwähnt aber auch, dass sie trotzdem von Seiten der Eltern oft unter Druck stünde, deutlich härter zu bewerten. “Manche haben Zweifel, wie die Kinder überhaupt das Gymnasium schaffen sollen, wenn sie von hier kommen.”

Platt gesagt: An der weiterführenden Schule wäre jede Arbeit meiner Tochter stets eine Note besser bewertet worden. Von einem bayrischen Gymnasium weiß ich, dass sie auch (mehr oder weniger) unseren Schlüssel benutzen. Ich will dabei die Grundschule gar nicht groß kritisieren: Die machen da eine ganz wunderbare Arbeit und Carolina freut sich jeden Tag auf die Schule.

Ich finde das Ganze eher schwer zu beurteilen – zunächst einmal, weil ich kein Grundschullehrer bin und überdies, weil mir die langjährige Erfahrung fehlt. Aber eliminiert man mit der Grundschulversion nicht de fakto die Note “sehr gut”? Ein Fehler im Diktat. Irgendwo einmal verrechnet. Führt das nicht womöglich dazu, dass die Eltern den Druck auf die Kinder erhöhen oder diese den Spaß an der Schule verlieren? Es ist ja auch nicht so, als wären die Noten bedeutungslos: Es geht um den weiteren Bildungsweg.

Wie seht ihr das?
Und wie sieht der Notenschlüssel bei euch an der Schule aus? (Und erwähnt dabei zur Orientierung bitte Schulform und Bundesland.) Ganz besonders interessieren mich die Erfahrungswerte von Grundschulkollegen.