“Ruuuuhhhee!”

20141012_142925“Ruuuhhheee”, brüllt Carolina und intoniert eindrucksvoll den Studienrat Groll. Sie liest dem Hund vor, der aufmerksam zuhört, wie das Sams die Schüler zum Lachen und den Studienrat auf die Palme bringt.
Ihr Ton ist dabei so scharf, dass ich mich unwillkürlich frage, ob sie das von mir hat. Aber eigentlich bilde ich mir ein, nicht so streng zu sprechen. Und brüllen kommt bei mir auch nicht vor.

Sie liest weiter, wie sie sich einen Lehrer vorstellt.

»Ruhe!«, schrie Groll wütend. »Außerdem sagt man nicht du zu mir. Das solltest du in dem Alter längst wissen.«
»Wie denn dann?«, fragte das Sams erstaunt.
»Du sagst Sie zu mir, verstanden!«, erklärte er.
»Sie?«, fragte das Sams verblüfft. »Bist du denn eine Frau?«
»Lümmel«, schimpfte Herr Groll. »Mich als Frau zu bezeichnen, so eine Frechheit!«

20141009_125704_AndroidCarolina kichert.
Samstags ist unser Lesetag.
Ich freue mich, dass sie mit dem Sams endlich ein Buch gefunden hat, dass sie gerne und freiwillig liest – bisher hat sie Bücher zwar gelesen, aber nicht genossen.
Bailey indes scheint jede Form der Zuwendung zu genießen, bellt zwischendurch zustimmend, wenn Studienrat Groll allzu streng durch die Klasse brüllt und hat abends– wie es sich für einen Lehrerhaushalt gehört – ordentlich Tinte auf den Pfoten. Vielleicht will der Hund ja auch ein Sams-Buch schreiben.

#23: Was sollen all diese Menschen?

P1010825

Willkommen zurück zu unserer Reihe. Heute wollen wir versuchen, dem absolut schnarchnasigsten Teil der Bibel einen Sinn zu entnehmen: den Ahnentafeln.
Ich meine, wenn es einen Teil gäbe, den nun wirklich niemand vermissen würde, dann diese endlose Aneinanderreihung von Namen. (Ich gebe zu, das scheint echt ein öder Teil heute zu werden – aber ich verspreche: In diesen Chroniken steckt Hoffnung und Wertschätzung und Liebe und.. aber ich greife vor.) Fangen wir mit dem Matthäus-Evangelium an. Der Autor beginnt mit der Behauptung, dies sei die Abstammung von Jesus, dem Sohn Davids und listet eine ganze Menge Leute auf (und auch ein paar Frauen, was ziemlich untypisch für jene Zeit war) (übrigens beinhalten die Frauen, die Matthäus erwähnt ihrerseits tausend Geschichten) und beendet diese Reihe mit Jesus.

Jesus, der Sohn von David.

Das ist (ein bisschen) spannend, denn David hat den mathematischen Wert 14.

Klar?

Nein?

Okay, dann ein bisschen Hintergrund (der Hintergrund ist das eigentlich Spannende, nicht wahr? Wenn man mehr weiß. Wenn man nicht nur eine Frau in einem Bus sieht, die nicht aufsteht.) Continue reading

ein Fahrrad aus dem Internetz

Vor einigen Wochen habe ich mir ein Fahrrad im Internet gekauft. Und zwar dieses hier bei Amazon: Ein Bergsteiger Alu-Mountainbike MTX.280.
Mein altes Trekking-Bike ist mittlerweile zwölf Jahre alt und ich befürchte, dass es irgendwann unter mir zerbricht. Denn ich bin in den letzten zwölf Jahren schwerer und älter geworden und die Knochen heilen nicht mehr so wie früher.

Da wir am Wald wohnen (und weil sie ein cooles Image haben und etwas jugendliches ausstrahlen) wollte ich ein Mountainbike. Und weil ich über 2 Meter lang bin, ein großes Mountainbike. Ich war etwas skeptisch, ob ich ein Fahrrad im Internet bestellen wollte – also ohne einmal drauf gesessen zu haben.
Letztlich haben zwei Gründe für das Internet und gegen den örtlichen Fahrradhändler gesprochen: Erstens: Amazon liefert mir das Fahrrad direkt nach Hause. Und Zweitens: Der Preis.
Das Mountainbike hat 319 Euro gekostet und ist auch zzgl. Schutzblech und Schloss viel, viel billiger als alles, was ich in den Fahrradgeschäften in und um Siegen bekomme. Es ist auch billiger, als viele der Fahrräder, die mir bei Ebay Kleinanzeigen angeboten werden. Kurz: Ich habe keine 1000 Euro für ein Fahrrad übrig.

Aber wird ein “Fahrrad aus dem Internetz” meinen Ansprüchen gerecht?

Continue reading

12 Wochen Ferien im Jahr

Wenn Leute über Lehrer lästern, dann fällt in der Regel der gleiche Satz: “Und dann noch 12 Wochen Ferien im Jahr.” Meine Ferien, bis auf die Sommerferien, sehen so aus: Ich korrigiere einen Satz Hefte aus der 11, einen aus der 12 und einen aus der 13 und gerne noch einen aus der MIttelstufe.

Gepriesen sind diejenigen, die nicht in der Oberstufe unterrichten, wobei Deutsch und Englisch oder so auch in der Sek. I eine doofe Kombination ist. Es gibt Kollegen, die Kunst und Sport unterrichten. Jaja, der Alltag ist laut und anstrengend, aber die Leute haben in der Tat 12 Wochen Ferien. Alle anderen armen Säcke wühlen sich durch einen Berg von Arbeiten und lesen immer und immer wieder den selben Kram. Am schlimmsten sind die Leistungskursklausuren in der 13 – oder Q2, wie es jetzt so schön heißt, weil es die 13 am Gymnasium ja nicht mehr gibt. Die Schüler haben 4-5 Schulstunden Zeit. Ihr da draußen, ihr Glücklichen: Wisst ihr, was man in der Zeit alles schreiben kann und wie lange es dauert, das zu korrigieren??? Eine durchschnittliche Klausur (2-5 Schulstunden) zu korrigieren dauert 1 Stunde, mal mehr mal weniger. Und ich bin ein effizienter Arbeiter und kein Pedant.

Wir rechnen: 25 Hefte mal 1 Stunde und das mal 3 macht 75 Stunden Schreibtischarbeit.

Keine Mitleid: ich mag meinen Beruf sehr und ich auch Unterricht vorbereiten ist nicht schlimm. Ja, ich jammere auf höchstem Niveau, ich sitze warm, mache mir einen Tee, kann in aller Ruhe in Onlineshops stöbern, kann meine Dunstabzugshaube schrubben, die Kühlschrank auswaschen, meine Fingernägel lackieren, meine Freunde anwhatsappen, im Garten kramen ….arrghhh….ich will nicht mehr… ICH HASSE KLAUSURKORREKTUREN!!!!