Elternsprechtag (& Mathematik mit Glasknochen)

Donnerstag war Elternsprechtag. Bis Mittags haben wir regulär Unterricht und nachmittags bis abends dann im 10-Minuten-Takt Gespräche mit den Eltern. Für einige Kollegen bedeutet das, von morgens 8 bis abends 20 Uhr ununterbrochen zu reden, zuzuhören und im Gespräch zu sein.
Je nach Disziplin und Redebedarf werden die Takte mehr schlecht als recht eingehalten, es entstehen Schlangen und die Stimmung sinkt.

Aber genug des Lamentierens! Ich liebe Elternsprechtage! Wirklich wahr! Meine Klasse hat sich arg viel Mühe gemacht, unser Klassenzimmer aufzuräumen (und im Übereifer sogar den OHP völlig zerlegt und geputzt..), meine neue Co war gut gelaunt und so stand

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Ouzo auf dem Weisshorn

Der irische Physiker und Bergpionier John Tyndall unternahm im August 1861 eine wagemutige Reise. Nachdem er einige male davon gesprochen hatte das Weisshorn in den Walliser Alpen mit seinen 4505 m zu besteiegen, war es nun endlich soweit. Mit den beiden Bergführern Johann Benet und Ulrich Wenger von Randa machte er sich auf den Weg. Auf halber Strecke hielt Benet es für eine gute Idee eine kleine Pause einzulegen um einen Ouzo zu trinken. Natürlich war allen bewusst, dass der Alkohol die körperlichen Strapazen nicht leichter machen würde. Also schlug Tyndall vor, den Ouzo mit ein wenig Wasser zu verdünnen. Im Moment des Zusammentreffens von Ouzo und Wasser passierte etwas Unerwartetes. Der Ouzo trübte sich weiß. Tyndall war fasziniert von dem was er sah und nahm sich vor, nach der Besteigung dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Am 19. August 1861 schrieben die drei Geschichte und bestiegen das Weisshorn als erste.

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Licht, Nahrung und Lichtnahrung

Mal bewusst durch den Supermarkt gegangen? Die Musik wirkt entspannend, der Duft betörend, die teureren besseren Produkte stehen im Regal auf Augenhöhe (außer für Jan), die Angebotsschilder verführen zum Kauf von zehn Packungen Nudeln anstatt einer und die meisten Kinder verfallen in einen teils wahnsinnigen, durch bunte Bilder induzierten Zustand, der stetig mit intensivem Tränenfluss einhergeht. Trivialen Marketingtricks, wie diese sind vielen Menschen geläufig und man versucht, meist sehr ineffektiv dagegen anzukämpfen auf sie hereinzufallen. Doch der unsichtbarste aller Tricks ist gleichzeitig der sichtbarste. Das Licht. (weiterlesen …)

ein bisschen Statistik

image…über diesen Blog.
Nicht so wahnsinnig sehr, weil es viele interessiert – sondern in erster Linie, damit ich in 47 Jahren zum güldenen Jubiläum meines Blogs nochmal schauen kann, was wann wie so war.

WordPress selbst konzipiert einen amüsanten Bericht mit relevanten Zahlen. Einigermaßen amüsant die Formulierung: “Dein Blog hat mehr Besucher als ein kleines Land in Europa.” Klingt hübsch, ist aber natürlich Unsinn.

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Noch mehr Zombies auf meinem Blog

Ich lese gerade “Feed” von Mira Grant.
Die Handlung spielt im Jahr 2040. Die Welt ist von einer Seuche befallen, die die Toten untot wieder auferstehen lässt. Die Menschheit lebt in Angst – es gibt keine großen Versammlungen mehr, jeder bleibt soweit es möglich ist, zu Hause. In dieser Zeit haben Internet-Blogs eine viel größere Glaubwürdigkeit, als die traditionellen Medien, so dass die Hauptfiguren der Buches (Shaun und Georgia Mason) entsprechend Blogger sind.

Die Autorin vermischt geschickt (pseudo-)dokumentarische Blogartikel mit der Handlung des Buches. In dessen Zentrum stehen denn auch weniger die Untoten, als vielmehr die Lebenden: Wie sich die Menschen damit arrangiert haben. Interessant (zumindest für mich) ist es allemal, Blogger im Fokus eines Buches zu sehen und immer wieder zu denken ‘ah… kenne ich’. Werbung aussortieren. Anfragen abschmettern. Gastartikel aufnehmen. Gastartikel schreiben.

imageLetzte Woche erhielt ich dann eine neue Art Anfrage: Eine Firma wolle gerne Gastartikel zu einem bestimmten Thema  auf meinem Blog veröffentlichen und würde mich dafür auch bezahlen. Hui, dachte ich, jetzt geht’s aber los.
Anfragen zum Linktausch o.ä. kommen relativ häufig vor. Eine Firma (ich muss gestehen, ich weiß nicht mehr, welche) hat mir vor einiger Zeit ungefragt eine Mag-Lite Taschenlampe zugeschickt, in der Hoffnung, sie könnten hier werben.
Aber Geld?
Ich bin neugierig geworden und habe nachgefragt. Wie viel ist Werbung auf einem kleinen Blog wohl wert?
Vor allem aber warf diese Situation noch weitere Fragen auf: Darf ich als Beamter eigentlich einen Nebenverdienst haben? Bringt mich mein Blog jetzt ins Gefängnis? Was, wenn mir jemand einen Teppich anböte? Könnte ich dann in die FDP eintreten? Und nicht zuletzt: Muss der Artikel “Als Lehrer schnell reich werden in drei Schritten” jetzt umgeschrieben werden?

Ob Eitelkeit oder nicht – es ist immer auch spannend, welche Auswirkungen das Schreiben eines Blogs so nach sich zieht. Und das sind, nach nun bald drei Jahren, durchaus einige.

Zunächst: Die genannte Firma bot mir auf Nachfrage eine langfristige Zusammenarbeit an, also mehrere Artikel pro Monat ‘für mich’ zu schreiben. Es würde sich also um eine Nebentätigkeit meinerseits handeln. Nebentätigkeiten von Beamten sind durch das Beamtengesetz, ab § 64 geregelt. Dort ist die Genehmigungspflicht beschrieben und es sind auch sogenannte “Versagensgründe” aufgeführt, also Gründe, warum man mir eine Nebeneinkunft verbietet. Und da Werbung mich in meiner “Unparteiligkeit” beeinflusst [§64, (2) 2.], vermute ich, ein regelmäßiges Einkommen würde abgewiesen. Aber genau weiß ich das nicht.

Schwieriger ist die Sache mit der Taschenlampe. Denn Geschenke, die mich “materiell besser stehen” darf ich als Beamter nicht annehmen – Stichwort: Bestechung. Das regelt eine Verwaltungsvorschrift des Bundes. Dort steht, Geschenke bis 25 € dürfen angenommen werden, es besteht jedoch eine Anzeigepflicht gegenüber dem Dienstherrn. Schwierig. Die Lampe hat ja nichts mit meinem Beruf zu tun. Tatsächlich weiß ich nicht mal mehr, wer sie mir zugeschickt hat. Wäre ich verpflichtet gewesen, sie zurückzuschicken? Auf wessen Kosten? Hätte ich sie dem Land NRW zuschicken müssen? Man stelle sich nur mal vor, man hätte mir statt der Taschenlampe einen Teppich geschenkt – wenn ich den an die Landesregierung weiterschicke.. ;-) .
Um mein Gewissen zu beruhigen, habe ich mir folgende Regel auferlegt:

Das Bestechungsgeld
Die Taschenlampe wird nicht benutzt, bis zu dem Tag,
da sich die Toten wieder erheben um die Lebenden zu fressen.

Was uns schlussendlich zurück zum Buch “Feed” führt: Werde ich nun ein Zombieblogger? Erliege ich der Versuchung des Geldes und benenne meinen Blog in HalbneunLive-Gewinnspiel-Blog um?

Es bleibt spannend Smiley mit geöffnetem Mund

(Ach ja… für die Neugierigen: pro veröfffentlichtem Gastartikel hätte man mir 25 € gezahlt. Drei wären nur für den Juni drin gewesen, inkl. Aussicht auf längerfristige Zusammenarbeit.)

Arbeiten mit Google Documents

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Nachdem eine meiner Klassen für den DFB Berichte zur kommenden EM schreibt, habe ich mich entschieden, den “Akt des Schreibens” ins Internet auszulagern.

Ausgangspunkt ist der Wunsch nach einer eleganten Möglichkeit, mit zwanzig Leuten an einem Dokument zu arbeiten, ohne dass achtzehn gelangweilt herumstehen.
Die Google Documents bieten hier ein fabelhaftes, kostenloses Umfeld um genau das zu tun – verschiedene Leute können an einem Dokument arbeiten.
Um Datenschutz etc. habe ich mir im Vorfeld keine besonderen Gedanken gemacht. Die Hälfte der Schüler hat bereits über ihr Android-Handy einen Google-Account, der Rest hat sich mit mehr oder weniger gefakten Namen schnell einen gemacht.

Seitdem sind ein paar Tage vergangen. Unsere Vorstellung war ein erster Test – der reibungslos abgelaufen ist.
Heute ist der Vorbericht über Portugal fertig geworden – ebenfalls ausschließlich von zu Hause in kooperativer Arbeit entstanden.
Positiv dabei: Mein zusätzlicher Arbeitsaufwand beträgt pro Tag etwa 5 Minuten. Ich schaue abends kurz in die Dokumente und lese, was die Schüler so geschrieben haben. Korrigiere hier und da einen Rechtschreibfehler und setze eine Anmerkung [Klinge: Was bedeutet das? Warum vertragen die Portugiesen weder Otternnasen noch Ozelothmilch?]. Mit einigermaßen motivierten Schülern kommt dabei recht zügig ein brauchbares Ergebnis zustande.
Negativ: Ich kann nicht nachprüfen, welcher Schüler was geschrieben hat. Es kann sein, dass sich die ganze Arbeit auf die fünf, sechs Schüler verteilt, deren Namen ich im “zuletzt bearbeitet von”-Feld sehe. Für eine gerechte Beurteilung ist das zu wenig.

Bei zukünftigen Projekten würde ich aber jederzeit wieder so arbeiten. Der Arbeitsaufwand ist im Verhältnis zum Ergebnis absolut marginal. Unseren Bericht gibt es ab Donnerstag oder Freitag übrigens hier zu lesen.

Bildungspanik – Ein Kommentar

Der folgende Kommentar bezieht sich auf den Artikel “Disziplinlose Schüler überfordern deutsche Lehrer” von welt.de.

Es ist mal wieder soweit – eine Studie macht uns mal wieder klar, wie entsetzlich die Jugend und überfordert die Lehrer dieses Landes sind. Die Studie mit dem Titel „Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik: Eine Studie zum Prestige des Lehrerberufs und zur Situation an den Schulen in Deutschland“, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland durchgeführt hat, erzählt uns das. ‘Die Welt’ liefert uns entsetzliche Bilder zur Fragestellung: “Gab es in Ihrem Berufsleben schon einmal Situationen, in denen Sie die Belastungen, die Ihr Beruf mit sich bringt, nahezu unerträglich gefunden haben, oder war es noch nie so schlimm?”

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Als Mathematiker machen mich Statistiken ja regelmäßig wütend neugierig. (Kurzer Zwischengedanke: Wenn die oben genannte Frage Ärzten gestellt würde, wie würden die ihre Arbeitsbedingungen beschreiben? Und Polizisten? Oder Bäcker unter dem Druck der Billig-Bäckereiketten?). Es ist doch völlig klar, dass man durch die Art der Frage bestimmte Ergebnisse forcieren kann. “Haben Sie mehr Angst vor Islamistischem Terror oder Arbeitslosigkeit?”

Es bringt natürlich nicht so viele Leser, aber in der Studie stehen noch andere, durchaus interessante Zahlen: Bei 70% aller Lehrern überwiegt die Freude im Beruf.

70%. Sonne

Deutlich frustriert sind überhaupt nur 4% der Befragten. Das ist ja nicht soviel, oder?
Auch hier gilt – diese Werte sind gar nichts wert, wenn man sie nicht vergleichen kann. Ist der Prozentsatz der frustrierten Polizisten geringer? Oder der Krankenschwestern? Ich wage es zu bezweifeln. (Kurzer Gedanke: Ein erhöhtes Suizidrisiko weisen Berufe wie Mediziner (besonders Zahnärzte), Manager, Metzger, Dachdecker, Maler und Land- und Forstwirte auf. Lehrer eher nicht.)

Als wirklich ärgerlich empfinde ich überdies die Verklärung der Vergangenheit:

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Ohne jede Frage stehen wir als Lehrer vor neuen Herausforderungen in Bezug auf Disziplin und Motivation der Schüler. Aber ich kenne eine ganze Menge sensationeller Geschichten “von früher”, die heute völlig undenkbar wären. Und zwar nicht nur von Schülern – auch von Lehrern. Früher war immer alles besser und einfacher. Aber das gilt doch für jede Berufsgruppe, oder nicht? Sehr beeindruckend fand ich den Kommentar von Christoph Biermann im Spiegel über den “modernen Fußball”:

“Bei meinem zweiten Besuch im Stadion in der Castroper Straße in Bochum sah ich, wie ein paar Bochumer einen Düsseldorfer über die Ränge jagten. Als er stürzte sprangen sie auf ihm herum als sei er ein Trampolin.
[…]
Auch wurden Geschmacklosigkeiten gesungen: “Gib Gas, gib Gas, wenn Hitler mit den Schalkern in die Gaskammer rast.” Oder: “Schlagt die Kölner tot!” Das war nicht nur Maulheldentum. Im Oktober 1982 wurde der 16-jährige Glaserlehrling Adrian Maleika, ein Fan von Werder Bremen, auf dem Weg ins Hamburger Volksparkstadion von einem Stein tödlich am Kopf getroffen.”

Nicht alles war früher besser.

Und ja, auch die Arbeit mit den Eltern ist sicher schwieriger geworden. Positiv könnte man formulieren, dass viele Eltern selbstbewusster sind als früher, sie mischen sich mehr ein. Natürlich ist es leichter, wenn ich als Lehrer einfach mit der “Fünf” drohen kann, um mir als “Autoritätsperson” jede überengagierte Mutter vom Leib zu halten – und es soll mir keiner erzählen, dass dies “früher” nicht geschehen sei.

Ja, dieser Beruf ist anstrengend. Mindestens so anstrengend wie besserwissende engagierte Väter und dreißig Fünftklässler sind aber die Verwaltungs- und Organisationsaufgaben. Das sind Dinge, die nicht nur keinen Spaß machen, sondern z.T. völlig überflüssig sind und Zeit und Energie kosten. Beispiel gefällig? Die Kollegen in Sachsen sollen eine Liste erstellen, welche Dokumente sie wann wie oft an wen kopiert haben (Und wenn da irgendwann steht: “Mein Kampf”, Seite 48-52, 30x kopiert” , wird dann der Verfassungsschutz aktiv?). Ja, auch damit verbringen Lehrer ihre Nachmittage. Und mit dem Zählen von Fehlstunden. Und..und..und..

Schade, dass sich die Studie nicht auch damit befasst hat.

Die gesamte Studie findet man übrigens hier. (Und an dieser Stelle ein freundlicher Gruß an die Journalisten der ‘Welt’ – es wäre wirklich toll, wenn man sich nicht umständlich und mühsam und zeitaufwändig (trotz meines Halbtagsjobs…) solche Studien selbst ergooglen müsste. Ein Link tut nicht weh Smiley.

Notizen auf dem HTC Flyer

2012-04-11_08-40-36Nachdem kubiwahn und auch Herr Rau in den vergangenen Tagen Pencasts (digitale Stifte) vorgestellt haben, ist gestern bei den xda-developers eine interessante App von Lenovos Thinkpad Tablet auf das HTC Flyer raubmordkopiert portiert worden: ‘Notes Mobile’.

Nachdem die Android OneNote App leider den Stift des Flyers nicht unterstützt und ich mit Evernote auf dem Tablet irgendwie nicht so richtig warm werde, ist dies vielleicht ein neuer, unkomplizierter Anlauf.

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Meine Bedürfnisse sind nämlich folgende: In den meisten Fällen missbrauche ich solche Software als Post-It-Zettel. Ich will nur schnell was aufschreiben und dafür soll es schnell und unkompliziert gehen.

Ähnlich wie bei Evernote kann man hier Bilder einfügen und die Ergebnisse lassen sich als .png Bilddateien exportieren. Dabei wirkt die Notes Mobile aufgeräumter als Evernote, wenn auch deutlich simpler.

Handgeschriebenes lässt sich in echten Text umwandeln (wenn das jemand möchte) und, für mich sehr praktisch, es gibt nicht nur eine Handflächenunterdrückung, sondern auch eine Handflächenunterdrückung für Linkshänder. Bei Evernote stört die aufgelegte Hand nämlich allzuoft das flüssige Schreiben. Das funktioniert hier wunderprächtig.

Das Programm lässt sich auf jedem gerooteten Flyer problemlos installieren: Einfach die Datei auf die Speicherkarte legen und via Recovery flashen. (Beim Flyer: Neustart mit gedrückter Power-Taste und Volume-Down).

Wozu braucht man das eigentlich?

Im Sommer veröffentlichte die ZEIT einen Artikel mit dem Titel “Das will ich nicht wissen”.

Überfrachtete Lehrpläne, überforderte Kinder: Kann man das Gros des Schulstoffs streichen? Hirnforscher und Psychologen plädieren für eine nachhaltige Bildung.

Darin stehen ein paar interessante Dinge und ein paar Aspekte denen ich zustimme und einige, die ich kritischer sehe. Es wird für eine Reduzierung des Stoffinhaltes plädiert und eine Veränderung der Klassenarbeiten, die häufiger die ganze Breite des Faches abfragen sollten und nicht nur den Stoff der letzten drei Wochen. Das klingt vernünftig und gibt mir zu denken, ob ich meine Klassenarbeiten zukünftig nicht noch breiter aufstelle. Mit einem Punkt jedoch kann ich mich nicht so recht anfreunden:

Beispiel Mathematik: Die große Mehrheit der Erwachsenen mit Abitur kann davon berichten, irgendwann um die achte Klasse herum den Anschluss an das Fach verloren zu haben. Danach wird kein neues Wissen mehr angesammelt, stattdessen wird es mit großem Aufwand in Klassenarbeiten simuliert.

Dies trifft ja nicht nur die Mathematik, sondern jedes Fach, oder? (Wir mussten in Erdkunde mal zwei Dutzend russische Städte, Flüsse und Gebirge auswendig lernen. Wie viele kenne ich noch? …Nur die, die in der ChampionsLeague auftreten – Pech für die Flüsse…)
Aber im Fach Mathematik, das besonders abstrakt scheint, ist die Frage durchaus angebracht – auch unabhängig von Lehrplänen und Klassenarbeiten:

Wozu braucht man eigentlich Mathematik?

Ich halte die Frage (auch) deshalb so wichtig, weil ich mir unklar bin, wie viele Mathematiklehrer sie ehrlich beantworten könnten. Wozu brauchen Schüler eine Kurvendiskussion? Den Logarithmus? Quadratische Ergänzung?
Und ich stimme jedem Schüler zu, der mir ins Gesicht sagt: “Das brauche in ich meinem ganzen Leben nicht mehr!” Ja, stimmt. Und trotzdem halte ich die Mathematik für das (vielleicht) wichtigste Fach in der Schule überhaupt. Außerdem möchte ich einwerfen, dass, wenn man nicht gerade Telefonjoker bei Wer wird Millionär ist, auch die russischen Flüsse eher überflüssig sind.
Die Mathematik aber zwingt die Schüler zum Nachdenken. Und zwar kontinuierlich. Man sitzt vor einem Problem und muss es lösen. Dieses “Problemlösen” ist als Kompetenz in keinem anderen Fach (wenn überhaupt) so stark ausgeprägt. Selbstveständlich sind die Probleme sowohl künstlich als auch abstrakt: “Wie lauten die Nullstellen dieser Funktion?”
Aber es zwingt die Schülerinnen und Schüler zum Denken: Wie kann ich dieses Problem lösen?
In den anderen Fächern geht es zumeist ums Sprechen oder Auswendiglernen von Fakten und Daten. Gemessen an der Lösung einer quadratischen Gleichung ist das Lernen von Städten eine Aufgabe, die auch eine fünfjährige lösen kann – echtes Denken ist hier nicht erforderlich.

Und ich behaupte: “Ein Schüler, der durch das Fach Mathematik gelernt hat, Problemstellungen zu erkennen, zu analysieren und zu lösen, der wird auch im Alltag leichter mit Problemen fertig.” Ein Schüler, der es gewohnt ist, komplexe Aufgabenstellungen in Einzelteile zu zerlegen, der wird auch damit klarkommen, wenn er in Hamburg steht und nach München muss und Deutsche Bahn verkündet, keine Passagiere über 1,50m zu befördern.

Deswegen halte ich, spitz formuliert, Mathematik für das großartigste und wichtigste Fach von allen. Ja, liebe Schüler, ihr dürft nach dem Schulabschluss gerne alles vergessen. Ihr braucht keine Logarithmen, keine Exponentialfunktionen und keine imaginären Zahlen mehr. Aber behaltet das Denken bei. Das Analysieren. Denn das lernt ihr vor allem in der Mathematik.

 

 

 


Um nicht missverstanden zu werden: Ich sehe durchaus die Daseinsberechtigung der anderen Fächer. Ich hatte Deutsch-LK und erinnere mich immer wieder gerne an den Minnesang. Insbesondere die Kürzung von Fächern wie Musik, Kunst, etc. sehe ich mit Besorgnis. Aber ich wollte einfach mal ein Plädoyer für meine Mathematik halten Smiley.

Jubiläum!

Heute feiert mein Blog den 100000. Besucher.

IMAG0259Und nicht nur das: Meine Halbtagsblog-App verzeichnete heute den vierten Download1!

Für ein kleines, bescheidenes Lehrerblog freut mich das ungemein.
Insbesondere im Bezug zu den aktuellen Debatten rund um die Zukunft der Blogs möchte ich damit ein weiteres Plädoyer für sie setzen.

Zum Jubiläum gibts die (vorläufige) Deaktivierung meines Facebook-Kontos, alsbald lange Haare und um die grausame Übergangszeit (“Hey Jan, du siehst so ungewohnt aus!”) zu überbrücken ein Geschenk: Ich habe mir die Baseballcap schlechthin geholt:

ÜBUNGSLEITER K

Ist das nicht absolut coolste Kappe, die ein Mathematiklehrer überhaupt tragen kann? Smiley mit geöffnetem Mund

1 Ich weiß aus sicherer Quelle, dass die App aber auf sechs (!) verschiedenen Geräten läuft – Raubkopierer, liebe Freunde, werden von mir unbarmherzig verfolgt!!1!elf!   ;-)