Grillen mit den Eltern

2014-07-03 18.49.39

Zum Ausklang des Schuljahres haben wir mit unseren Schülern und ihren Eltern zusammen gegrillt.
Es war ein nettes Beisammensein mit lustigen Gesprächen; die Kinder sind allesamt nach wenigen Minuten zwischen den Büschen und Bäumen verschwunden – empfinde ich immer als gutes Zeichen.

Morgen gibt es noch Zeugnisse. Außerdem haben sich die Schüler gewünscht, die “schriftliche Feedbackrunde” (unbedingt lesen!) zu wiederholen. Damit werden alle Kinder mit einem schönen, zweiten Zeugnis in die Ferien entlassen. Das wird gut.

Inklusion im Kopf

imageGestern hatten wir einen Projekttag zur Gestaltung des Schulhofes. Den ganzen Tag über durfte meine Klasse Ideen sammeln, forschen und diskutieren, wie man unsere Schule (noch) schöner gestalten könne.
Bezeichnend waren zwei Szenen:
Als eins meiner Glasknochenmädels im Rollstuhl nach vorne fuhr, um einen Vorschlag an die Tafel zu schreiben, sprang der größte Chaot der Klasse auf, um ihr die Tafel nach unten zu ziehen und ein Stück Kreide zu reichen.
Und: Immer wieder wurden die erarbeiteten Vorschläge auf Barrierefreiheit abgeklopft und die Möglichkeit, ob man auch mit den beiden Rollis “in die Chill-Zone” könne.

Unabhängig von der tatsächlichen Umsetzung der Pläne kann man in der Klasse etwas beobachten, das schon die Mutter von Henry in der “Jauch”-Sendung kritisch anmerkte: Kaum jemand hat in seinem Alltag mit behinderten Menschen zu tun und erst, wenn sich das ändert, verändert sich der Blick auf die Umgebung.
Die größten Klassenkasper sind stets die ersten, die auch Tische tragen und Türen öffnen.

Aus meiner Perspektive ein ganz spannender Prozess, von dem ich mich selbst gar nicht ausnehmen will.

…auf dem Zahnfleisch

Am Ende eines (Schul-)Jahres ist man platt.
Für Außenstehende ist das manchmal schwer nachzuvollziehen – aber ein Schuljahr kostet richtig Kraft. Auch (oder gerade?) die letzten Wochen vor den Sommerferien sind geprägt von Hektik und Stress. Allenthalben Konferenzen die eingehalten und Listen, die ausgefüllt werden müssen, Bücher müssen zurückgegeben, Schulfeste vorbereitet, Praktika begleitet und Exkursionen geplant werden.

In den letzten Tagen steht für mich noch ein Projekttag zur Gestaltung des Schulhofes, eine Exkursion mit meinem Technik-Kurs, die Zeugniskonferenzen, ein Schulfest für die Unterstufe, der Sporttag und ein Grillabend mit den Eltern meiner Klasse an. Zwischendurch immer noch Gespräche, Termine und Unterricht und Gedanken an den bevorstehenden Umbau unserer Homepage.

Meine Tochter möchte gern die Schule wechseln und auf eine Grundschule hier im Ort gehen. Deren Kollegium freut sich und die zukünftige Klassenlehrerin besucht meine Tochter diese Woche noch, um zu sehen, in welchem Umfeld “sie bisher gelernt hat”. Abgefahren!
(Dann kann ich der alten Schule auch nochmal deutlicher formulieren, was ich von ihrer Politik halte.)

Zusammen mit den Renovierungs- und Umbauarbeiten hier am Haus freue ich inzwischen wirklich auf die Ferien. Mir fehlt vor allem etwas, das ich “kreative Langeweile” nenne.

Albert Einstein sagte mal, Kreativität sei Intelligenz beim Spielen.

Ein guter Spruch. Genau das vermisse ich aktuell. Auf meinem Rechner liegen knapp 20 halbfertige Blogartikel herum – aber ich kann mich nicht aufraffen, sie zu Ende zu bringen. Ich würde gerne darüber schreiben, wie man mit dem neuen OneNote mit zwei Klicks seinen Unterricht mit Kollegen austauschen kann. Ich will mal wieder coole Ideen für meinen Unterricht haben (weil der mich gerade selbst langweilt) und..und..und..

Aber dafür muss ich zuerst noch zwei Wochen Schule aushalten und dann mal das Gehirn ein paar Tage auf Standby runterfahren.

Erste Hilfe

2014-06-12 14.37.37Nach einem Unfall samt gebrochenem Arm an unserer Schule sprachen mich zwei Schülerinnen an, ob wir als Klasse nicht mal einen 1. Hilfe Kurs machen könnten.
Sie, die Schüler, hätten gar nicht gewusst, wie man in der Situation richtig hätte reagieren können und sie fänden das wichtig, dass wir (gerade wir!) als Inklusionsklasse ein bisschen mehr Ahnung hätten.

Gesagt. Getan.

Freundlicherweise opferte ein ausgebildeter Kollege heute zwei Stunden seiner Zeit, um meiner Klasse eine Einführung in die 1. Hilfe zu bieten. Geübt wurde immer wieder und von jedem die stabile Seitenlage, das Unterschieben einer Decke und die Wundversorgung. Ausgelassen wurde (zum Bedauern der Jungs Zwinkerndes Smiley) die Wiederbelebung. Fröhlicher Abschluss war das Klassenfoto, auf dem alle Schüler in Verbände und Pflaster eingepackt in die Kamera winken.

2014-06-12 11.14.22-5Tatsächlich machen wir Lehrer (und Inklusionshelfer) uns im Bezug auf die Klassenfahrt intensiv Gedanken. Natürlich sind wir geschult. Und natürlich können wir eintreffende Ärzte im Notfall instruieren – gerade im Bezug auf meine Schüler mit Glasknochen. Und trotzdem ist es schön zu wissen, dass nun alle meine Schüler die Grundlagen der ersten Hilfe verinnerlicht haben. Solche Dinge stehen natürlich nicht im Lehrplan. Genau wie das Wechseln der Winterreifen sind sie nicht prüfungsrelevant und werden niemals im Abitur verlangt. Aber immer wieder muss Schule auch ein Ort sein, der mit dem echten Leben verknüpft ist.

Es ist ein Stück “erwachsenwerden”, auf dem wir Lehrer unsere Schüler begleiten dürfen, an dessen Ende das steht, was Frau Henner so treffend als “Tränenreichen Abschied” bezeichnet hat.